Die Esche – (Fraxinus excelsior L.)

Gemeine Esche – Baum des Jahres 2001

Verbreitung:
Die Esche ist in ganz Europa (mit Ausnahme des nördlichen Skandinaviens und des südlichen Spaniens) verbreitet. In Deutschland ist sie überall anzutreffen – in den Mittelgebirgen (Harz) bis 800 m, in den Alpen bis 1350 m. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich bis in den Kaukasus und nach Kleinasien.

Artenmerkmale:

  • Höhe: bis 40 m
  • Durchmesser: 170 cm
  • Alter: etwa 250 Jahre

Blätter:
Die gegenständig angeordneten, gefiederten, langgestielten Laubblätter sind ca. 20 bis 30 cm lang, oberseits dunkelgrün, kahl, unterseits heller und entlang der Adern rotbraun behaart. Die einzelnen Fiederblätter (7-13 Stück pro Blatt) sind etwa 5 bis 12 cm lang, länglich-oval bis länglich-lanzettlich, vorne zugespitzt und am Rande gezähnt. Beim Laubabfall im Herbst bleiben die Blätter grün!

Knospe:
Die Knospen sind halbkugel- bis kugel- oder eiförmig, vorne meist zugespitzt und auffallend schwarz gefärbt; sie sind bis 5 mm dick.

Blüte:
Die Esche wird im Bestand mit ca. 40 bis 45 Jahren, im Freistand mit 20 bis 30 Jahren mannbar. Sie blüht kurz vor Laubausbruch im April/Mai. Die unscheinbaren Blüten sind eingeschlechtig oder zwittrig, ein- oder mehrhäusig und hängen als Rispe an zweijährigen Zweigen.

Früchte:
Die Früchte sind einsamige Nüsschen mit zungenförmigen Flügeln, etwa 2 bis 3 cm lang und 4 bis 6 mm breit und schmal-länglich (Drehschraubenflieger). Sie reifen zwischen August und Oktober, hängen in büscheligen Rispen und werden im Winter oder erst im darauffolgenden Herbst vom Wind weggetragen.

Rinde:
Die Borke ist in der Jugend glatt und wird mit zunehmenden Alter längs- und querrissig. Die Farbe variiert zwischen graubraun bis braunschwarz.

Wurzelsystem:
Die Esche bildet ein Senkerwurzelsystem aus, d.h. es werden stark ausgeprägte Horizontalwurzeln gebildet, die nach unten Senkerwurzeln entwickeln. Mit diesem Wurzelsystem kann die Esche auch dichtgelagerte und feuchte Böden erschließen. Die Feinwurzeln befinden sich in nassen Böden in den besser durchlüfteten Bereichen.

Standortansprüche:
Die Esche ist hinsichtlich der Nährstoffversorgung eine sehr anspruchsvolle Baumart. Beste Wuchsbedingungen werden auf kalkreichen (Basalt) bzw. reinen Kalkböden (Rendzina) erreicht. Bei der Wasserversorgung haben sich zwei Typen herausgebildet:

  • der trockene Typ: sein Vorkommen ist auf (flachgründige) Kalkböden beschränkt (Kalkesche)
  • der feuchte (frische) Typ findet sich meist in den Hartholzauen der Flüsse, Bruch- und Auwälder sowie in feuchten Buchenwaldgesellschaften.

Äußerliche Unterschiede zwischen beiden Typen sind allerdings nicht feststellbar.

Waldbauliche Eigenschaften:
Waldbaulich ist die Esche eine wertvolle Baumart. Infolge ihrer sehr gut zersetzbaren Streu wirkt sie bodenverbessernd, humusbildend und sorgt für ein reiches Bodenleben.

Von großer Bedeutung bei der Esche sind frühzeitige und wiederholte Pflegemaßnahmen zur Förderung der lichtbedürftigen Krone (Lichtbaumart). In Reinform (Monokultur) trifft man die Esche nur selten an; häufige Mischungen sind meist solche mit Ahorn, Ulme, Hainbuche, Eiche und Buche (je nach Wasserversorgung).

Das Nutzungsalter liegt beim frischen Typ bei ungefähr 100-180 Jahren mit einem Brust-Höhen-Durchmesser (BHD) > 60 cm, beim trocknen Typ bei ca. 120-200 Jahren bei einem BHD > 50 cm.

Die Unterschiede im Alter bzw. im Durchmesser liegen in der Wachstumsgeschwindigkeit begründet, die wiederum vom Wasserangebot abhängig ist. Der frischerTyp wächst schneller und erlangt somit auch schneller die gewünschten Dimensionen.

Holzeigenschaften:
Das Holz der Esche ist ringporig, schwer, zäh, elastisch, hat einen dunklen Kern und einen hellen Splint. Das Holz ist gut zu bearbeiten und reißt nicht. Für den Außenbau ist es ungeeignet, da es nicht witterungsbeständig ist. Eschenholz wird für Werkzeugstiele, Ruder und Paddel, Parkett, Furniere und Sportgeräte verwendet. Im Winter gefälltes Eschenholz gilt als zäher und kräftiger; im Sommer gefälltes Holz dieser Baumart ist leichter biegbar.

Krankheiten der Esche – Eschentriebsterben:
Erst war die Ulme betroffen, jetzt die Esche: Beide Laubbäume sind durch Pilz-Parasiten in ihrer Existenz bedroht. Förster befürchten nun ein flächendeckendes Baumsterben. Die Esche fällt zur Zeit vor allen Dingen in Mecklenburg-Vorpommern anscheinend einem winzigen Schädling zugrunde: dem Schlauchpilz Chalara fraxinea, der erst 2006 beschrieben wurde.

Der Einwanderer scheint vom Baltikum aus gekommen zu sein. Der Parasit dringt ins Holz der Bäume ein und ruft eine Pilzinfektion der Leitungsbahnen hervor. Dadurch wird der Transport von Nährsalzen und Wasser von der Wurzel bis in die Krone unterbunden, was die Eschen einem schleichenden Tod ausliefert. Ein typisches Merkmal sind Nekrosen und damit verbundene rotbraune Verfärbungen der Rinde. Es trifft junge wie alte Pflanzen, Baumschulbestände genauso wie die in Wald und Flur. Eine Bekämpfung der festgestellten Pilze ist bislang noch nicht möglich. Seit August 2005 ist daher der Anbau von Eschen auf landeseigenen Flächen in Mecklenburg-Vorpommern sogar bis auf weiteres untersagt.

Literatur:

Das Kosmos Wald- und Forstlexikon
Erlbeck; Haseder; Stinglwagner
Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart
ISBN 3-440-07511-7

BLV Bestimmungsbuch

Bäume und Sträucher
Ulrich Hecker
BLV Verlagsgesellschaft mbh
München Wien Zürich 1995

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