Klimaschutz durch Baumpflanzungen

Der Klimawandel ist in Deutschland angekommen. Spätestens seit 2018, dem großen Trockensommer, ist allen klar geworden, dass wir jetzt handeln müssen, um das 1,5 Grad Ziel von Paris zu erreichen. Der Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen muss schnell reduziert werden. Ein probates Mittel ist das Pflanzen von Bäumen für den Klimaschutz. Schließlich binden Bäume CO2 und entnehmen es so der Atmosphäre. Viele Unternehmen und Privatpersonen haben in den letzten Jahren ihren CO2-Ausstoß mit Baumpflanzungen kompensiert. Nur, ist das wirklich ein geeignetes Mittel, das Klima zu schützen?

Bäume speichern CO2

Mit Bäumen das Klima zu schützen, klingt erst einmal logisch: Bäume entnehmen der Luft im Rahmen der Fotosynthese CO2 und geben im Gegenzug Sauerstoff und Wasser ab. Das klimaschädliche CO2 ist somit im Baum gespeichert.

Können wir den CO2-Fußabdruck mit Baumpflanzungen kompensieren?

Jede/r Deutsche/r verursacht pro Jahr rund 11 Tonnen Treibhausgase. Diesen Ausstoß mit Baumpflanzungen zu kompensieren ist aus unserer Sicht nicht möglich. Warum? Wir haben auf unserer Seite eine Beispielrechnung von der forstlichen Fakultät aus Freiburg. Eine 100 Jahre alte Fichte hat in ihrem Leben rund 2,6 Tonnen CO2 gespeichert. Es braucht also knapp vier solch alter Fichten, um den jährlichen Ausstoß zu kompensieren. Der gesamte deutsche Wald entlastet laut Kohlenstoffinventur 2017 die Atmosphäre jährlich um rund 62 Mio. Tonnen Kohlendioxid. Damit kompensiert er ca. 7 % der Emissionen in Deutschland. Der Wald nimmt ca. 30% der Landesfläche von Deutschland ein. Um den gesamten Ausstoß zu kompensieren, reicht die Fläche Deutschlands bei Weitem nicht aus.

Probleme bei der Berechnung

Die Speicherleistung eines Baumes genau zu berechnen ist nur nachträglich möglich. Das heißt, wir können immer nur Rückblickend sagen, wie viel CO2 ein Baum wirklich gespeichert hat. Vorhersagen zu treffen ist möglich, aber nur mit einer gewissen Variation. Denn das Baumwachstum hängt von den Standortbedingungen ab. Also wie viel Licht erhält der Baum, wie viel Wasser steht zur Verfügung und wie ist die Nährstoffversorgung. In trocknen Jahren ist das Baumwachstum entsprechend geringer. Damit ist nur eine ungefähre Vorhersage möglich. Auch das Alter der Bäume, die Holzdichte und das Wachstum ist für die CO2-Speicherleistung entscheidend. Hier unterscheiden sich die verschiedenen Baumarten voneinander.
Bis ein frisch gepflanzter Baum genügend CO2 aus der Atmosphäre binden kann, vergehen viele Jahre. Denn je älter Bäume sind, desto mehr CO2 können sie speichern.

Feuer, Insektenbefall, Trockenheit

Wald ist ein natürliches System, das nur begrenzt steuerbar ist. Die Trockensommer 2018 und 2019 haben aufgezeigt, welche Auswirkungen der Klimawandel auf unsere Wälder hat. Nach neusten Berechnungen (Stand Juni 2022) wurden in den letzten vier Jahren rund 500.000 Hektar Wald durch Trockenheit und Borkenkäferbefall vernichtet. Der große Waldbrand in Brandburg hat rund 800 Hektar Wald zerstört. Wie sich dies auf die CO2-Bilanz auswirkt ist noch unklar. Auch stellt sich zukünftig die Frage, was mit CO2-Zertifikaten passiert, die genau für diese zerstörten Wälder ausgestellt wurden.

Wir denken nach wie vor, dass die CO2-Kompensation durch Wald das letzte Mittel sein soll, den nicht vermeidbaren CO2-Ausstoß zu kompensieren. Bis wir zu diesem Szenario kommen, kann noch sehr viel eingespart und umgewandelt werden. Dennoch ist das Pflanzen von Bäumen bzw. Wäldern eine sehr sinnvolle Maßnahme. Denn die Ökosystemleistungen der Wälder sind von unschätzbaren Wert für uns Menschen.