Die Durchforstung – Grundlagen

Alle Hiebseingriffe in Stangen- und Baumhölzer, bei denen verwertbares Derbholz (d.h. Holz mit Durchmesser > 7 cm) anfällt, werden als Durchforstungen bezeichnet.

Die besondere Notwendigkeit von Durchforstungseingriffen resultiert aus der Tatsache, dass es mit zunehmendem Alter und ständig steigendem Standraumbedarf der Einzelbäume zu einem immer stärkeren Konkurrenzdruck im Bestand kommt. Unabhängig von ihrer Qualität werden sich auf Dauer nur die vitalsten, konkurrenzkräftigsten Individuen durchsetzen. Die weniger vitalen Bäume werden dagegen überwachsen und fallen in der Folge mehr oder weniger ganz aus.

Natürliche Auslese entspricht nicht immer wirtschaftlichen Interessen

Im Zuge dieses natürlichen, zufallsbedingten Ausscheidungsprozesses stellen die überlebenden Bäume nicht notwendigerweise auch die wirtschaftlich wertvollsten Exemplare dar. Häufig sind gerade die vitalsten Individuen starkästiger oder weisen qualitativ unbefriedigende Schaftformen bzw. andere gravierende Fehler auf. Qualitativ hochwertige Bäume können sich somit ohne gezielte Förderung nur mehr oder weniger zufällig durchsetzen.
In Mischbeständen werden ohne steuernde Durchforstungseingriffe zur Mischungsregulierung die konkurrenzkräftigen Schattenbaumarten auf Dauer über die mit zunehmendem Alter in ihrer Wuchspotenz nachlassenden Lichtbaumarten dominieren, und damit langfristig zu einer für den Bestandeswertzuwachs nachteiligen Entmischung führen.

Wichtigste Aufgabe der Durchforstung ist daher, die beschriebenen Nachteile einer rein natürlichen und damit zufallsbedingten Bestandsentwicklung durch gezielte und wiederkehrende Pflegeeingriffe im Hinblick auf das angestrebte Waldentwicklungsziel zu steuern.

Die Z-(Zukunfts)Bäume

Alle durchzuführenden Pflegemaßnahmen konzentrieren sich im Wesentlichen auf die sich abzeichnenden qualitativ und vital besten Einzelbäume, die sog. Z(ukunfts)-Bäume, die einmal den Endbestand bilden sollen. Die nach diesen Merkmalen durchzuführende Durchforstungsart wird als Auslesedurchforstung bezeichnet.
Die Z-Bäume gilt es sicher anzusprechen und durch gezielte und wiederkehrende Freistellung von qualitativ schlechteren Bedrängern in ihrer Kronenentwicklung kontinuierlich so zu fördern, dass sie bis zum Erreichen ihres Nutzungszeitpunktes in wertvolle Starkholzdimensionen einwachsen können.

Die Auswahl der Z-Bäume richtet sich nach folgenden Kriterien:

Vitalität
Gesunde Bäume mit kräftig ausgebildeter Krone, konkurrenzstark (d.h. die Oberschicht bildend, vorherrschend oder herrschend)

Stabilität
(besonders wichtig für Nadelholz, weniger bedeutsam für Laubholz), Niedriges h/d-Verhältnis, gutes Kronenprozent

Qualität
Astfreier Schaft (bei Laubholz 8-12 m), keine Verletzungen oder Schäden am Stamm, starke Dimension, keine Zwiesel etc.

Um eine kräftige Ausbildung der Krone zu gewährleisten, dürfen die Z-Bäume nicht allzu dicht stehen. Daher werden i.d.R. Abstände von mind. 6-7 m gefordert.
Entsprechend den vorstehenden Ausführungen – und darüber hinaus – lassen sich die primären Ziele der Durchforstung wie folgt zusammenfassen:

  • Auswahl der vitalsten und qualitativ besten Einzelbäume im Bestand
  • Kontinuierliche Förderung der Z-Bäume durch Entnahmen von ein oder zwei Bedrängern
  • Maximale Förderung des Wertzuwachses an den qualitativ hochwertigen und vitalen Auslesebäumen durch allmähliche Erweiterung des Standraums
  • Förderung der Einzelbaum- und Bestandesstabilität durch Erhalt eines vitalen Wurzelsystems, hoher Kronenprozente und niedriger h/d-Werte an den freigestellten Z-Bäumen
  • Förderung der vertikalen Bestandesstruktur, Erhalt des Zwischen- und Unterstandes
  • Förderung von wertvollen bzw. Erhalt von seltenen (i.d.R. konkurrenzschwächeren) Mischbaumarten im Rahmen der Mischwuchsregulierung und des Minderheitenschutzes

Bestandsschluss – Kronenschluss

Eingriffsstärke:
Entsprechend ihrer arttypischen Eigenschaften weisen die meisten Baumarten während der Prokuktionsdauer Perioden mit unterschiedlichem Zuwachsverhalten auf.
So kulminieren die Zuwachsgrößen (Durchmesser, Höhe) von Lichtbaumarten früher als von Schattenbaumarten; anders ausgedrückt: Schattenbaumarten erbringen auch noch in höherem Alter beachtliche Volumenleistungen.
Die Buche gehört zu den Schattenbaumarten, d.h. auch im höheren Alter ist eine stärkere Durchforstung angebracht, um den Zuwachs auszunutzen. Bei der Lichtbaumart Kiefer hätte diese Vorgehensweise nicht die erhoffte Wirkung, da der Zuwachs im Alter nur noch minimal ist.

Der praktische Anzeiger für die erforderliche Eingriffsstärke ist der Bestandsschluss, d.h. wie dicht die Kronen zueinander stehen. Bestände mit dicht gedrängten Kronen haben einen stärkeren Eingriff zur Folge als Bestände mit einem lockeren Kronenschlussgrad. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Eingriffsstärken mit Hilfe von Messmethoden zu bestimmen. Darauf wird hier nicht weiter eingegangen.

Der praktische Anzeiger für die erforderliche Eingriffsstärke ist der Bestandsschluss, d.h. wie dicht die Kronen zueinander stehen. Bestände mit dicht gedrängten Kronen haben einen stärkeren Eingriff zur Folge als Bestände mit einem lockeren Kronenschlussgrad. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Eingriffsstärken mit Hilfe von Messmethoden zu bestimmen. Darauf wird hier nicht weiter eingegangen.

Eingriffszeitpunkt:
Die Wahl des richtigen Zeitpunktes richtet sich nach den waldbaulichen Gegebenheiten bzw. nach dem Zustand des Waldes.
Zur Einschätzung bestehen folgende Möglichkeiten:

Allgemeiner Pflegezustand

  • Schlechtwüchsiger oder fehlender Zwischen- und Unterstand sind ein Indiz für die ungenügende Pflege im Herrschenden; der Zwischen- und Unterstand wurde ausgedunkelt: Durchforstung dringend notwendig!
  • Schlechte Kronenausformung der Bestandsmitglieder bzw. der konkurrenzschwachen Mischbaumart: Durchforstung dringend notwendig!
  • überduchschnittlich hoher Anteil an qualitativ schlechten Bäumen: Durchforstung dringend notwendig!

Kronenprozent und h/d-Wert

In Nadelholzbeständen weisen zu hohe h/d-Werte bzw. zu niedrige Kronenprozente auf Pflegerückstände hin. Bei Durchforstung solcher Verhältnisse ist darauf zu achten, dass in jüngeren Beständen stärker, in älteren, bereits labilisierten Beständen mit Oberhöhen von > 22 m vorsichtiger (i.S.v. mäßiger Eingriffstärke) eingegriffen wird.

Eingriffszeitpunkt und Eingriffsstärke hängen sehr voneinander ab. So lässt sich die gleiche Durchforstungsstärke entweder durch häufigere schwache oder durch seltenere aber stärkere Eingriffe erzielen. Für die Ausnutzung und Förderung des Zuwachses und aus Sicht der Bestandsstabilität sind häufigere Eingriffe besser zu bewerten. Kräftige Eingriffe verursachen ein Aufreißen des Kronendaches; dies beeinträchtigt besonders in älteren Beständen das kollektive Stützgefüge und hat eine Labilisierung zur Folge. Der Eingriffsturnus wird im Wesentlichen vom Alter der Bäume (Wuchsdynamik) und vom Standort bestimmt. In jüngeren und mittelalten Beständen sollte i.d.R. häufiger (3-5 Jahre), im Alter eher seltener (5-7 Jahre) eingegriffen werden.
Ohne dass sich die Durchforstungsintensität in ein starres Schema pressen ließe, dürfte sie in erster Linie vom qualitativen Zustand, der Wuchsdynamik, dem Waldentwicklungsziel und der Risikogefährdung des jeweiligen Bestandes abhängen.

Eingriffszeitpunkt und Eingriffsstärke hängen sehr voneinander ab. So lässt sich die gleiche Durchforstungsstärke entweder durch häufigere schwache oder durch seltenere aber stärkere Eingriffe erzielen. Für die Ausnutzung und Förderung des Zuwachses und aus Sicht der Bestandsstabilität sind häufigere Eingriffe besser zu bewerten. Kräftige Eingriffe verursachen ein Aufreißen des Kronendaches; dies beeinträchtigt besonders in älteren Beständen das kollektive Stützgefüge und hat eine Labilisierung zur Folge. Der Eingriffsturnus wird im Wesentlichen vom Alter der Bäume (Wuchsdynamik) und vom Standort bestimmt. In jüngeren und mittelalten Beständen sollte i.d.R. häufiger (3-5 Jahre), im Alter eher seltener (5-7 Jahre) eingegriffen werden.
Ohne dass sich die Durchforstungsintensität in ein starres Schema pressen ließe, dürfte sie in erster Linie vom qualitativen Zustand, der Wuchsdynamik, dem Waldentwicklungsziel und der Risikogefährdung des jeweiligen Bestandes abhängen.

Der Nebenbestand

Die bisher dargestellten Maßnahmen der Jungbestandspflege und der Durchforstung beziehen sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur auf den Hauptbestand, also jene Bäume, die den oberen Kronenschirm bilden. Der Nebenbestand setzt sich demnach aus allen Baumarten zusammen, die keinen Kontakt zum Kronenraum des Hauptbestandes aufweisen. Er bildet die Unter – und Zwischenschicht eines Bestandes.
Der Nebenbestand kann sich entweder aus den Baumarten des Hauptbestandes oder denen der Mischbaumart(en) zusammensetzten.
Der Nebenbestand besteht infolge Lichtmangels in der Unter- bzw. Zwischenschicht nur aus Schatten-, allenfalls Halbschattenbaumarten. Lichtbaumarten würden bereits nach kurzer Zeit an Wachstum verlieren, vor sich hinkümmern und absterben.

Die forstlichen und ökologischen Anforderungen des Nebenbestandes sind sehr vielfältig. Aus waldbaulicher Sicht muss der Nebenbestand die folgenden Funktionen erfüllen:

1. Förderung der Astreinigung
Durch die Beschattung der unteren Stammpartien sterben untere Grünäste früher ab; die natürliche Astreinigung wird beschleunigt. Bei vorhandenem Nebenbestand kann der Eingriff bei Baumarten, die zur Wasserreiserbildung neigen, stärker erfolgen, da der Stammbereich weiterhin vor Lichteinfall geschützt ist.

2. Humuspflege
Insbesondere bei Nadelbäumen, die eine schwer zersetzbare Streu aufweisen, verbessern Laubbaumarten (bessere Streuzersetzung) des Nebenbestandes den Abbau der organischen Substanz.

3. Schutz vor Verunkrautung

4. Generationswechsel
Aus einem im Verhältnis zum Hauptbestand wesentlich jüngeren Nebenbestand kann – entsprechende Baumarten vorausgesetzt – mit Ernte der Hauptbestandsbäume möglicherweise eine neue Bestandsgeneration erzogen werden.

5. Steigerung der Wertleistung
Einzelne zuwachskräftige Bäume des Nebenbestands können in Lücken einwachsen, die durch Aushieb einzelner Hauptbestandsbäume entstehen, und verbessern somit das Sortimentsangebot.

Ein in mehreren Vegetationsschichten aufgebauter Wald bietet eine Vielzahl von ökologischen Nischen – was wiederum eine höhere Anzahl an (Tier-)Arten zur Folge hat.