Das Eschentriebsterben

Von Jonas Barandun - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Die Esche hat als ökologisch wertvolle und wuchskräftige Baumart mit sehr guten Holzeigenschaften innerhalb der letzten Jahrzehnte erheblich an Bedeutung in der Forstwirtschaft gewonnen. Auch galt sie bislang wegen ihrer hohen Trockenheitstoleranz im Hinblick auf den Klimawandel als besonders zukunftsfähig. In Baden-Württemberg ist sie nach der Buche und den heimischen Eichenarten die dritthäufigste Laubbaumart. Vor allem in der Oberrheinebene und auf der Schwäbischen Alb ist sie von sehr hoher lokaler Bedeutung.

Falsches Weißes Stängelbecherchen
Seit 1992 breitet sich der invasive Pilz Hymenoscyphus fraxineus – auf Deutsch Falsches Weißes Stängelbecherchen genannt – in Europa rasant aus und erreichte 2006 auch Baden-Württemberg. Dieser Pilz stammt ursprünglich aus Ostasien und verursacht ein schwerwiegendes Eschentriebsterben. Im Sommer produziert der Pilz gewaltige Mengen an Sporen, die mit dem Wind verfrachtet werden und so auf die Blätter der Eschen gelangen können. Von hier aus dringt der Pilz über die Blattstiele bis in die Triebe vor, die daraufhin absterben. Um das Triebsterben zu kompensieren, reagieren die Eschen mit der Bildung von Ersatztrieben. Allerdings kommt es jährlich zu erneuten Infektionen, die auch die Ersatztriebe treffen können. Dadurch stirbt die Krone langsam ab und die geschwächten Eschen werden anfällig für andere Krankheitserreger und Insekten. Langfristig führt diese Abwärtsspirale zum Absterben der Bäume. Vor allem auf nassen Standorten wie am Oberrhein tritt als weiteres Krankheitssymptom die Verformung der Rinde im Bereich des Stammfußes auf (sog. Stammfußnekrose). Diese stellt die Eintrittspforte für weitere Krankheitserreger dar, die den Baum innerhalb weniger Jahre zum Absterben bringen. Insbesondere kommt es zu Holzfäulnis im Wurzelbereich, die die Standfestigkeit der Bäume reduziert. Da beide Symptome unabhängig voneinander auftreten, können auch augenscheinlich gesunde Bäume plötzlich umfallen.

Kahlschläge und Schäden

Aufgrund der hohen Gefahrenlage werden daher in Einvernehmen mit den Forst- und Naturschutzbehörden Kahlschläge durchgeführt, die das Landschaftsbild erheblich verändern und daher in Einzelfällen auf Kritik in der Bevölkerung stoßen können. ForstBW informiert über die Hintergründe der Maßnahmen und wird vor Ort auch Informationstafeln aufstellen.

Der finanzielle Schaden für die Waldbesitzenden durch die Krankheit ist enorm. Viele Bestände müssen vor Hiebsreife eingeschlagen werden. Bisher ist der Holzpreis für Eschen-Stammholz stabil. Insbesondere im Bereich des Industrie- und Brennholzes bestehen jedoch bereits lokale Absatzprobleme. Auch sind die Holzerntekosten aufgrund der sicherheitsbedingten Notwendigkeit aufwändiger Erntetechniken überdurchschnittlich hoch, so dass in Kombination mit den hohen Aufwendungen für die Wiederaufforstung betriebswirtschaftlich defizitäre Ergebnisse erzielt werden. In Abhängigkeit der verwendeten Baumarten betragen die Pflanzungskosten zwischen 10.000 Euro und 19.000 Euro je Hektar. Das Land Baden-Württemberg unterstützt daher Kommunal- und Privatwaldbesitzer bei der Neubegründung standortsgerechter Laub- und Mischwälder auf den entstandenen Freiflächen finanziell über das Förderprogramm Nachhaltige Waldwirtschaft.

Weitere Informationen speziell zum Eschentriebsterben finden sie im Internet unter www.fva-bw.de und allgemein zur Wald- und Forstwirtschaft unter www.mlr-bw.de/Wald oder www.forstbw.de.

Quelle: Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, 22.02.2016

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