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Schälschaden und Wildverbiss

Wildschäden im Wald –
Schälschaden und Wildverbiss

Die bedeutendsten Arten der Schädigung im Wald sind die Verbiss-, Nage- und Schälschäden. Darüber hinaus kommen auch Fege- und Schlagschäden vor, die in der Regel aber wirtschaftlich und biologisch nicht besonders ins Gewicht fallen. Verursacher für Verbiss- und Nageschäden an Kulturen sind vor allem das Rotwild, Rehwild, Hase und Damwild. Aufgrund der flächenmäßig großen Verbreitung und den spezifischen Ernährungsansprüchen verursacht das Rehwild die stärksten Verbisschäden.

Die hauptsächlich primären Schadwirkungen durch Verbiss sind das Abäsen von Keimlingen, Knospen, Blättern und Trieben sowie bei Hasen meist zusammen mit Verbiss auftretend, das Benagen der dünnen Rinde. Besonders schwerwiegend ist die Schädigung der Terminalknospe und des Leit- bzw. Terminaltriebes zu werten, da dadurch das Höhenwachstum der Pflanze stark beeinträchtigt wird. Einmaliger Verbiss wird i.d.R. gut regeneriert, während wiederholter, also mehrjähriger andauernder Verbiss, zu starker Verbuschung und z.T. auch zum Absterben der Pflanze führt.
Starke Verbisschäden haben (sowohl kurz- als auch langfristig betrachtet) außerordentlich negative Auswirkungen zur Folge. Kulturen können oft erst einige Jahre später das Prädikat „gesichert“ erhalten. Es werden auf nicht unerheblichen Flächenanteilen Nachbesserungen und Wiederholungen notwendig. Dies hat wiederum zur Folge, dass betriebswirtschaftliche und waldbauliche Zielsetzungen ungünstig beeinflusst bzw. in Frage gestellt werden. (S. Prien, Wildschäden im Wald, 1997)

Schälschäden
Unter Schälen ist das Ablösen der Rinde vom Stamm zu verstehen. Hauptverursacher ist vor allem das Rotwild, daneben schälen auch Sika- und Muffelwild.
Bei den Schälschäden wird in Sommer- und Winterschäle unterschieden.
Im Winter haftet die Rinde relativ fest am Holzkörper, so dass sie nur in kleinen Stücken abgenagt werden kann. Die Zahnspuren des Wildes sind daher deutlich sichtbar. Erfolgt das Schälen dagegen im Sommer, so kann das Wild die Rinde samt Bast in langen Streifen (bis 1 m) vom Holzkörper abziehen. Geschieht dies rings um den Stamm herum („Ringschäle“), so kommt es zum Absterben des Baumes.schaelschaden_rotwild.gif

Die Winterschälschäden kommen aufgrund der eingeschränkten Nahrungsmöglichkeit des Wildes sehr viel häufiger als die Sommerschäle vor und ist daher wirtschaftlich bedeutsamer.
Die Folgen der Schäle sind sehr mannigfaltig und wirken sich bei den Baumarten abhängig von deren Schutzmechanismen unterschiedlich aus.
Die beschädigten Bereiche stellen Eintrittspforten für verschiedene holzzerstörende Pilze dar. Besonders anfällig gegenüber Pilzen ist die Fichte, da ihre Schutzmechanismen nur sehr schwach ausgeprägt sind. Bei ihr entsteht besonders schnell die sog. Rotfäule, die das Holz zerstört und die Anfälligkeit gegenüber abiotischen Schäden z.B. Schneebruch erhöht. Der wirtschaftliche Schaden liegt insbesondere in der Entwertung des Holzes. Die Fichte schließt die Wundstellen, wie auch andere Baumarten, mit einer Wundüberwallung, die eine mehr oder weniger starke Deformation des Stammes mit sich bringt. Bei Fichte ist diese Deformation besonders auffällig und wird daher auch als „Flaschenhals“ bezeichnet.
Anders als die Fichte, ist z.B. die Buche ein sehr guter Kompartimentierer, d.h. sie hat ein ausgesprochen gutes Wundheilungsvermögen. Nach einer Schädigung bildet sich an der Schadstelle sehr schnell ein Abschlussgewebe, das ein Eindringen von Pilzen verhindert. Eine Entwertung des Stammes tritt hier aber auch ein.

Ursachen der Schäden

  • Wilddichte

Eine überhöhte Wilddichte ist die häufigste Ursache für Verbiss- und Schälschäden. Eine für den Wirtschaftswald durchschnittlich tragbare Dichte von Rehwild liegt bei ungefähr 8 Stück pro 100 ha, bei Rotwild ca. 1-2 pro 100 ha. Unzureichende Jagd oder ungünstige Abschusspläne bewirken, dass Wilddichten von bis zu 20 Stück Rehwild pro 100 ha durchaus anzutreffen sind. Ähnliches trifft auch für andere wiederkäuende Schalenwildarten (Rotwild, Damwild etc.) zu.

  • Nahrungsangebot

Ein unzureichendes Nahrungsangebot geht häufig mit einer zu hohen Wilddichte einher. Aber auch die großflächige Nadelholzanbauten im 19. und 20. Jhd, die heute große Waldflächen bestimmen, bieten ein nur begrenztes Nahrungsangebot für unsere Wildtiere. Die Auswirkungen des intensiven Waldbaus auf das natürliche Äsungsangebot sind vor allem:

  • Die Verringerung der Artenvielfalt der Flora
  • Der Rückgang von Mastbaumarten (z.B. Eiche, Buche, Wildobst)
  • Der Rückgang der besonders als Winteräsung bedeutenden Weichlaubbäume (z.B. Weide, Eberesche, Aspe)

Diese und andere waldbauliche Gründe führten dazu, dass Ende des 20. Jh. die Forstbehörden der Bundesländer neue Waldbauerlasse verabschiedeten. Zentrales Ziel ist der Umbau von Reinkultren in naturnahe und artenreiche Mischwälder (siehe auch Kapitel Waldpflege).

  • Störung des Biorhythmus

Die wiederkäuenden Wildarten unterliegen einem täglichen Rhythmus zur Nahrungsaufnahme. So sind z.B. für Rehwild 8-12 und für Rotwild 4-6 Äsungsperioden je 24 Stunden zu unterstellen. Aufgrund der außerordentlichen Zunahme der Erholungssuchenden und Sporttreibenden, sowie der verkehrstechnischen Erschließung im Wald, hat eine Beunruhigung des Wildes ständig zugenommen. Daher tritt es zur Nahrungssuche und – aufnahme seltener aus, bleibt statt dessen in den Dickungen und stillt den Hunger durch Verbeißen und Schälen. Die oft erwähnte „Langeweile“ oder „Gewohnheit“ kommt hingegen kaum als Ursache in Betracht (S. Prien).

Maßnahmen zur Einschränkung der Wildschäden

  • Wildbestandsregulierung

Die wichtigste Vorkehrung zur Vermeidung von Wildschäden ist eine langfristig-stabile Regulierung der Wildbestände durch die Jagd. Dies setzt aber eine genaue Kenntnis über den Wildbestand voraus, die nicht immer gegeben ist. Des Weiteren:

  • Äsungsverbesserung durch Umstrukturierung der Bestände (Mischwälder) und nicht durch Fütterung
  • Einrichtung von Wildruhezonen; besonders beim Rotwild
  • Schutz von Kulturen und Einzelbäumen durch Zäunung bzw. Einzelschutzmaßnahmen (technisch und chemisch)

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