Was ist ein Ökosystem?

Ein Ökosystem setzt sich aus unbelebten (abiotischen) und belebten (biotischen) Komponenten zusammen. Die Gesamtheit der biotischen Organismen – also der Tiere und Pflanzen – wird auch als Biozönose oder Lebensgemeinschaft bezeichnet. Die Biozönose besiedelt einen unbelebten Lebensraum, das Biotop.

Unbelebte Komponenten sind z.B. das Gestein, der Mineralboden, die Luft und das Klima mit seinen Temperatur-, Luftfeuchtigkeits- und Niederschlagsbedingungen. Biotop und Biozönose bilden also gemeinsam ein Ökosystem. Je nach den sich daraus ergebenden Lebensbedingungen entwickeln sich unterschiedliche Ökosysteme, wie z.B. ein Wald, eine Wiese, ein Gewässer oder ein Moor. Im Laufe der Entwicklung stellt sich ein ökologisches Gleichgewicht ein, das durch zahlreiche miteinander vernetzte Stoffkreisläufe (z.B. Sauerstoff-, Kohlenstoff-, Wasser- und Nährstoffkreislauf) aufrecht erhalten wird.

Die Lebewesen in einem Ökosystem werden je nach ihrer Funktion in drei Klassen eingeteilt: Produzenten, Konsumenten und Destruenten/Reduzenten.

Produzenten (Erzeuger):
Die Produzenten wandeln Kohlendioxid und Wasser mit Hilfe von Sonnenenergie in Biomasse (organische Substanz) um. Zu diesem Umwandlungsprozess, der als Photosynthese bezeichnet wird, sind nur Pflanzen und bestimmte Bakterien fähig. Die Produzenten stellen somit ein wichtiges Glied im Energie- und Stoffkreislauf des Ökosystems dar.

Konsumenten (Verbraucher):
Alle Konsumenten (Tiere und Menschen) sind direkt oder indirekt auf die Produktion von Biomasse angewiesen. Die Pflanzenfresser (Herbivoren) ernähren sich direkt von der organischen Substanz, die Fleischfresser (Carnivoren) wiederum ernähren sich von den Herbivoren oder anderen Carnivoren.

Destruenten (Zersetzer):
Destruenten (Regenwürmer, Asseln, Springschwänze etc.) zerkleinern und verdauen organische Substanz, die in den Mineralboden eingearbeitet wird.

Reduzenten (Mineralisierer):
Die Reduzenten (Pilze und Bakterien) zerlegen die teilzersetzte Biomasse der Destruenten in ihre anorganischen Ausgangsstoffe (wie z.B. Magnesium, Calcium, Phosphor), die von den Produzenten wieder aufgenommen werden.

Zersetzer und Mineralisierer sind zur Aufrechterhaltung der Stoffkreisläufe und der Energieflüsse in einem Ökosystem unentbehrlich.

Jedes Lebewesen eines Ökosystems befindet sich in einem ständigen Anpassungsprozess, um die für ihn optimalen Lebensbedingungen zu finden. Hat ein Lebewesen einen Lebensraum besetzt, der im Einklang mit seinen biotischen und abiotischen Umweltansprüchen steht, so spricht man von einer ökologischen Nische. Im Ökosystem Wald hat jedes Lebewesen bzw. jede Art ihre eigene ökologische Nische. Würden zwei Arten die gleiche ökologische Nische besetzen, so gäbe es Konkurrenz um Nahrung, Brutplatz, Winterquartier, Ruheplätze usw.

Grundprinzipien der ökologischen Nische:
1. Je verschiedenartiger ein Lebensraum, desto größer ist die Zahl der ökologischen Nischen.
2. Ein Lebensraum hat zumindest so viele ökologische Nischen, wie Arten in ihm leben.
3. Zwei Arten mit völlig identischen ökologischen Nischen können nicht auf Dauer koexistieren.

Beispiel: Amerikanischer Nerz – europäischer Nerz
Der amerikanische Nerz, auch Mink genannt, wurde für die Pelzgewinnung nach Deutschland importiert. Er wurde auf speziellen Farmen gezüchtet, aus denen immer wieder Exemplare entfliehen konnten. Aufgrund der guten Anpassungsfähigkeit und den günstigen Lebensbedingungen konnten sie sich in Deutschland sehr schnell vermehren. Ihre ökologische Nische entsprach genau derjenigen des europäischen Nerzes. Da der Mink größer und stärker ist, verdrängte er den europäischen Nerz, der heute in Deutschland ausgestorben ist. Das Aussterben des europäischen Nerzes ist aber nicht nur auf die Konkurrenz des Minks zurückzuführen, sondern auch auf die Zerstörung seines Lebensraumes und die früher starke Verfolgung durch den Menschen.

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