Sommerlinde (Tilia platyphyllos Scopoli)

Verbreitung:
Die Sommerlinde ist eine wärmeliebende Baumart. Sie ist über West-, Mittel-, Süd- und Südosteuropa bis in die Ukraine, zum Kaukasus und Kleinasien verbreitet. Sie fehlt in Skandinavien, im westlichen und südlichen Teil der Iberischen Halbinsel, auf Sizilien und Sardinien. Auf den Britischen Inseln, in Belgien und den Niederlanden wurde sie eingebürgert. Sommerlinde, mit männlicher und weiblicher Blüte.

Artenmerkmale:

  • Höhe: 35 m
  • Durchmesser: bis 5 m
  • Alter: bis 1000 Jahre

Blätter:
Lindenblätter sind wechselständig angeordnet, kerbig gesägt, herzförmig, vorne zugespitzt, 5 bis 15 cm lang und ebenso breit. Im Kronenbereich sind sie etwas kleiner, an den Wassereisern (kleine Äste am Stamm) aber besonders groß (bis 25 cm lang). Die Blätter sind oberseits stumpfgrün, unterseits heller graugrün mit hellen weißlichen Haarbüscheln in den Blattnervenwinkeln (Unterscheidungsmerkmal zur Winterlinde, diese ist braun behaart!).

Knospen:
Die Endknospen sind eiförmig, seitlich etwas zusammengedrückt, 6 bis 8 mm lang und meist zugespitzt; die ebenso großen und gleich geformten Seitenknospen stehen vom Zweig ab. Die Knospenschuppen sind lichtseits purpurrot bis rotbraun und schattenseits gelbgrün bis oliv.

Blüten:
Die Sommerlinde ist mit 20-30 Jahren mannbar (fruchtbar) und blüht fast jährlich im Juni, etwa 10 bis 14 Tage vor der Winterlinde. Die zwittrige Blüte hat fünf länglich-eiförmige, 3 bis 4 mm lange Kelchblätter, fünf bis zu 8 mm lange, gelblich-weiße, kahle Kronblätter, 25 bis 40 Stabblätter und einen oberständigen, dicht weiß-behaarten, kugeligen Fruchtknoten mit unbehaartem Griffel und fünf Narbenlappen. Die gestielten Blüten befinden sich in einem hängend, traubigen Blütenstand, dessen Stiel mit einem 7 bis 10 cm langen Hochblatt (Tragblatt) verwachsen ist. Die Blüten sind eine gute Bienenweide. Die Bienen sammeln den Nektar (Lindenblütenhonig) und auch die Pollen.

Früchte:
Die so genannten Kapselfrüchte reifen im September, sind stark verholzt, weisen drei bis fünf hervortretende Kanten auf, sind ca. 1 cm lang, sehr hart und nicht zwischen den Fingern zerdrückbar (die Früchte der Winterlinde sind zerdrückbar als Unterscheidungsmerkmal). Sie bleiben bis Oktober/Dezember am Zweig hängen, fallen ab und reifen im zweiten Jahr.

Rinde:
Die graue bis schwarze Rinde ist mit feinen, längs verlaufenden Rissen und Furchen durchsetzt und glatt.

Wurzel:
Die Linde bildet ein Herzwurzelsystem aus mit einem sehr hohen Feinwurzelanteil. Die Wurzelreichweite ist relativ gering. Auf schlecht durchlüfteten Böden tritt eine Verflachung der Wurzel ein, Senkerwurzeln werden ausgebildet. Eine mittlere Durchwurzelungstiefe wird immer erreicht, so dass die Linde relativ stabil gegen Sturmwurf ist.

Standortansprüche:
Die Sommerlinde ist eine Schattenbaumart (je besser der Standort, desto mehr Schatten erträgt sie) und wächst in der kollinen bis montanen Stufe (Bayerischer Wald bis 950 m). Sie bevorzugt nährstoffreiche und gut wasserversorgte Böden; saure und trockene Standorte werden gemieden.

Waldbau:
Die Sommerlinde tritt meistens in Vergesellschaftung mit Eschen, Ulmen, Ahorn, Eiche und Buche auf. Forstwirtschaftlich spielt sie eine geringere Rolle als die Winterlinde, da sie sehr spätfrostgefährdet ist. Sie ist gut für den Nebenbestand von Eiche und Kiefer geeignet.

Holzeigenschaften:
Das Holz hat einen gelblichweißen Splint und einen dunkel getönten Kern. Es ist elastisch, zäh, leicht spaltbar, trocknet rasch und schwindet mäßig. Es ist sehr gut zu bearbeiten und findet in der Bildhauerei, Drechslerei und Tischlerei Verwendung.

Kulturhistorische Bedeutung:
Die Linden hatten seit altersher eine große mythologische Bedeutung und standen im kulturellen Mittelpunk des dörflichen Lebens. Als Dorflinde dienten sie als Treffpunkt der Tanzenden und Liebenden, aber auch der Rechtsprechung. Sie galt als Friede- und Freudebaum (Baum menschlicher Gesittung, der Eintracht und des Friedens), und es wurde ihr ein weiblich sanftes, mütterlich bergendes Wesen zugeschrieben. Wie die Eiche dem Donnergott, so war die Linde der germanischen Göttin Freya (Göttin der Fruchtbarkeit) geweiht. Die Sage geht, dass kein Blitzstrahl die Linden zu treffen wage, weil sie Wodans Gemahlin geweiht sei.

 
Literatur:

Das Kosmos Wald- und Forstlexikon
Erlbeck; Haseder; Stinglwagner
Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart
ISBN 3-440-07511-7

BLV Bestimmungsbuch
Bäume und Sträucher
Ulrich Hecker
BLV Verlagsgesellschaft mbh
München Wien Zürich 1995

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