Rosskastanie
(Aesculus hippocastanum L.)

Baum des Jahres 2005

Vorkommen:
Die Rosskastanie ist in Mitteleuropa nicht heimisch. Ursprüngliches Verbreitungsgebiet sind die Berg- und Schluchtwälder des Balkans. Erst Ende des 16. Jahrhunderts gelangte sie durch die Verbreitung des Menschen nach Westeuropa. Wegen der ansehnlichen Blüten wird sie in Europa vielerorts als Zier-, Park- und Straßenbaum angepflanzt. Im hohen Norden fehlt sie.

Artenmerkmale:

  • Höhe: ca. 25 m
  • Durchmesser: ca. 1 m
  • Alter: bis ca. 200 Jahre

Blätter:
Die Blätter sind sehr groß, fingerförmig gefiedert, oberseits sattgrün, kahl, schwach glänzend und unterseits hellgrün mit filzigen Adern. Der Blattstiel ist bis zu 20 cm lang und rinnig. Die einzelnen Fiederblätter sind länglich verkehrt-eiförmig, zwischen 5-7 in der Anzahl, 10-20 cm lang und ca. 10 cm breit, vorn zugespitzt und mit doppelt gesägtem Blattrand.

Knospen:
Die Endknospen sind sehr groß, bis zu 3 cm lang, breit-kegelförmig und deutlich größer als die spitz-eiförmigen, vom Zweig abstehenden oder diesem anliegenden Seitenknospen. Die Knospenschuppen sind olivbraun bis rotbraun und kahl. Im Frühjahr sind sie stark klebrig.

Blüte:
Die Rosskastanie wird mit ca. 15-20 Jahren mannbar (geschlechtsreif) und blüht bzw. fruchtet jedes Jahr. Die Blütezeit ist im Mai/Juni. Die weißen Blüten stehen sehr zahlreich in großen, bis 30 cm hohen, aufrechten, endständigen Rispensträußen, sog. Kerzen. Die Blüten sind meist männlich oder zwittrig.

Frucht:
Die Früchte reifen im September/Oktober. Die grüne, kugelig-stachelige, 5 bis 6 cm große zwei- bis dreifächerige Kapselfrucht fällt ab, platzt auf und gibt ein bis drei (vier) rundliche oder abgeflachte, rot-braune, glänzende Samen (Kastanien) frei, die einen großen, weißlichen Nabelfleck aufweisen. Sie keimen unterirdisch und zwar im darauf folgenden Frühjahr. Die Früchte dienen insbesondere Wildschweinen und Rotwild als Nahrung.

Rinde:
Die Rinde ist in den jungen Jahren hellbraun bis braun und glatt, später wird sie manchmal etwas rötlich und dann zu einer graubraunen, in grobrissige Platten gefelderten Borke, die sich aufbiegen und in Schuppen abblättern.

Standortansprüche:
Die Rosskastanie bevorzugt frische nährstoffreichere und tiefgründige Sand- und Lehmböden. Zu saure und zu trockene Standorte meidet sie.

Waldbauliche Eigenschaften:
Die Kastanie spielt in der Forstwirtschaft keine Rolle. Aufgrund ihrer geringen Höhe und des kurzen Stammes findet man sie meistens nur am Waldrand oder an Wegen.

Holzeigenschaften:
Das Holz der Rosskastanie ist gelblichweiß, kernlos, weich, leicht zu bearbeiten, gut polierbar, schwindet stark und ist wenig dauerhaft; zudem zeigen die Stämme meist Drehwüchsigkeit (schraubig gedrehter Faserverlauf um die Stammachse), der eine Holzverarbeitung fast ausschließt.

Besonderheiten:
Die Kastanien sind ein vielseitiger und wertvoller Rohstoff. Nach den beiden Weltkriegen dienten sie den Menschen als Nahrung (Öl und Mehl) und als Futter für die Haustiere. Allerdings sind Kastanien mit den Bitterstoffen ungenießbar und sogar schwach giftig. Ihr Genuß würde Erbrechen und Angstgefühle hervorrufen.

Krankheiten:
Mitte der 80er Jahre wurde in Mazedonien ein bis zu diesem Zeitpunkt unbekannter Kleinschmetterling, später als Rosskastanienminiermotte bezeichnet, entdeckt. Seine Larven leben in den Blättern der Kastanie. Anfang der 90er Jahre gab es erste Berichte über das Auftreten der Schmetterlinge in Deutschland. Inzwischen haben sich die Schädlinge deutschlandweit ausgebreitet und fressen sich genüsslich durch das Laub. Heute gilt der Larvenfraß als Hauptursache für vorzeitige Blattverfärbungen und Blattabfall bei der Kastanie.

Merkmale:
Erste Anzeichen werden im Frühjahr sichtbar, wenn die Rosskastanienminiermotte ihre Eier auf der Blattoberseite abgelegt hat. Die weißlich-transparenten, etwa 0,4 Millimeter großen Eier sind anfangs kaum erkennbar. Sind die Larven nach drei bis vier Wochen geschlüpft, bahnen sie sich unter der Blatthaut ihren Weg. In Gängen, sogenannten Minen, fressen sie sich durchs Blatt. Auf der Oberseite des Blattes entsteht eine kurze Strichmine. Wächst die Larve, erweitern sich gleichzeitig die Minen. Hält man das Blatt ins Gegenlicht, erkennt man die Larven jetzt deutlich. Zur Verpuppung legen die Larven einen Kokon an. Er ist transparent und wird sichtbar, wenn man die Oberhaut des Blattes entfernt.

Was passiert?
Fressen sich die Larven der Miniermotte durch Ober- und Unterhaut eines Blattes, verzehren sie dabei gleichzeitig das innere Gewebe des Blattes. Sind die Kastanienblätter stark befallen, verfärben sie sich (rot-)braun. Von den Blatträndern aus verkrümmen sie sich nach innen und vertrocknen. Das führt dazu, dass befallene Kastanien bereits vorzeitig ihr Laub verlieren. Bisher haben die Schäden nicht zum Absterben der Bäume geführt. Es besteht aber die Gefahr, dass die geschwächten Bäume von Wurzelpilzen befallen werden, was dann zum Absterben führen könnte.

Bekämpfung der Miniermotte
Die wirksamste und umweltfreundlichste Methode zur Bekämpfung ist nach wie vor, das herab gefallene Laub schnellstens abzutransportieren oder es vor Ort zu verbrennen. So verhindere man, dass sich die Eier der Rosskastanienminiermotte zu Larven weiterentwickelten.
Es gibt in Potsdam und auch Berlin eindeutige Ergebnisse, dass bei fachgerechter Ausführung dieser Methode (insbesondere sofortige Beseitigung des Falllaubes) die erste Faltergeneration der Miniermotte auf 20 bis 25 % des Normalwertes reduziert werden kann. Dies gibt der Kastanie Zeit, im Frühjahr und Frühsommer genügend Speicherstoffe zu produzieren, um unbeschadet einen vorzeitigen Laubfall zu kompensieren. Nach Untersuchungen in Italien vollzieht die Kastanie in den ersten acht Wochen nach Blattaustrieb ca. 70 % ihrer Produktion.

Weitere Informationen zur Miniermotte und ihrer Bekämpfung finden Sie hier.

Neue Krankheit – Bakterium Pseudomonas syringae
Das Bakterium Pseudomonas syringae wurde 2007 erstmals in Deutschland entdeckt. Experten gehen davon aus, dass die meisten Kastanien in Deutschland mit dem Bakterium infiziert sind. Während die Miniermotte die Kastanien nur schwächt, führt das gefräßige Bakterium sogar zum Absterben der Bäume. Weitere Infos zur neuen Krankheit finden Sie hier.

 
Literatur:

Das Kosmos Wald- und Forstlexikon
Erlbeck; Haseder; Stinglwagner
Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart
ISBN 3-440-07511-7

BLV Bestimmungsbuch
Bäume und Sträucher
Ulrich Hecker
BLV Verlagsgesellschaft mbh
München Wien Zürich 1995

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