Gemeine Birke (Betula pendula)

Auch Sand-, Weiß- oder Hängebirke genannt – Baum des Jahres 2000

Verbreitung:
Die Birke ist eine eurasische Pflanze – sie besiedelt mit Ausnahme Südeuropas und des nördlichen Skandinaviens ganz Europa. Im Osten reicht ihr Verbreitungsgebiet bis nach Sibirien und Nordiran. In Südeuropa trifft man sie nur in höheren Gebirgslagen, in den Alpen bis in Höhen von 1900 m an. Birke mit männlichen und weiblichen Blüten.

Artenmerkmale:

  • Höhe: max.28 m
  • Durchmesser: bis 60 cm
  • Alter: höchstens 120 Jahre

Blätter:
Die Blätter sind wechselständig angeordnet, kahl, rundlich oval bis dreieckig, weisen einen doppelt gesägten Blattrand auf, sind 2-6 cm lang und haben eine anfangs frischgrüne, später dunkelgrüne Farbe. Ein Sekret, das zahlreiche über das Blatt verteilte Harzdrüsen aussondern, macht die jungen Blätter klebrig und lässt sie nach Balsam duften. Später vertrocknet es zu dünnen weißlichen Schüppchen.

Blüte:
Die Hängebirke wird im Freistand mit etwa 10 bis 15 Jahren mannbar (geschlechtsreif), im Bestand erst mit 20 bis 25 Jahren. Sie ist einhäusig, d.h. männliche und weibliche Blüten befinden sich stets auf der gleichen Pflanze. Die Blüten sind eingeschlechtig, d.h. es gibt männliche und weibliche Blüten aber keine zwittrigen. Sie blüht zwischen März und Mai, zur Zeit des Laubaustriebs. Die männlichen Blüten werden bereits im Herbst des Vorjahres gebildet, überwintern und öffnen sich dann zur Blütezeit. Sie sind zur Blütezeit ca. 10 cm lang, walzenförmig (Kätzchen) und sitzen an Langtrieben. Die weiblichen Blüten sind 2-4cm lang und hängen am Ende diesjähriger beblätterter Kurztriebe. Die Kätzchen sind gelbgrün, später hellbraun.

Frucht:
Die Früchte reifen von Juli bis September, sind 3 mm klein und beiderseits dünnhäutig geflügelt. Nach der Reife lösen sich die Samennüsschen und werden mit dem Wind davongetragen. Sie keimen zwei bis drei Wochen nachdem sie abgefallen sind bzw. 4 bis 5 Wochen nach der Aussaat im Frühjahr.

Rinde:
Die Rinde ist silbrig weiß, glatt und mit einzelnen weißgrauen Querbinden; später wird sie zu einer groben, tiefrissigen, längsgefurchten Borke. Die Rinde jüngerer Äste ist weiß-rosa, die an den Zweigen glänzt braun-rot bis braun.

Standortansprüche:
Die Birke stellt keine besonderen Ansprüche an die Nährstoff- und Wasserversorgung. Sie gedeiht auf feuchten bis trockenen, nährstoffreichen bis sauren (nährstoffarmen) Standorten. Auch hinsichtlich der Bodenart ist sie anpassungsfähig: Steinige und felsige Böden werden ebenso besiedelt wie lehmige oder tonige. Sie ist sehr lichtbedürftig und frosthart. Aufgrund dieser Eigenschaften ist die Birke eine sog. Pionierbaumart, d.h. sie ist Wegbereiter für andere Baumarten (z.B. Buche oder Eiche), die auf solchen Standorten niemals gedeihen könnten.

Waldbau:
Die Birke übernimmt insbesondere bei Aufforstungen eine schützende Rolle. Sie wächst sehr schnell und hält durch Beschattung die Konkurrenzflora (Gräser etc.) zurück. Die Hauptbaumarten profitieren durch mehr Licht und Wasser. Als ausgesprochene Lichtbaumart muss die Birke insbesondere in Buchen- oder Fichtenbeständen gepflegt werden, da sie sonst durch die konkurrenzstärkeren Baumarten verdrängt wird (Näheres erfahren Sie unter der Rubrik Waldpflege/Weichlaubhölzer).

Holzeigenschaften:
Das Holz der Birke ist weiß bis weiß gelb gefärbt, wobei kaum farbliche Unterschiede zwischen Kern- und Splintholz bestehen (Splintholzbaum). Es ist relativ schwer, zäh, elastisch, schwer spaltbar und stark schwindend. Es wird in der Drechslerei, Modelltischlerei, im Möbelbau sowie zu Sperr-, Spanholz und Furnieren verarbeitet. Als Kaminholz ist es sehr gefragt. Für den Außenbau ist es nicht geeignet, da es nicht witterungsbeständig ist.

Besondere Eigenschaften:
Die Blätter der Birke enthalten ätherische Öle, Gerbstoffe und harntreibende Substanzen. Sie werden als Aufguss bei zu hohem Cholesterinspiegel, bei Fettleibigkeit, Frühjahrskuren, zur Blutreinigung und bei Gicht angewendet. Die Knospen enthalten Öl, das galletreibend wirkt. In der Rinde hat man Betulosid sowie Betulin nachgewiesen. Diese Wirkstoffe werden zur Behandlung von Rheuma, Nierensteinen und verschiedenen Hautkrankheiten verwendet. Im Bereich der Kosmetik dient der Birkensaft zur Herstellung von Haarwasser und Salben.

 
Literatur:

Das Kosmos Wald- und Forstlexikon
Erlbeck; Haseder; Stinglwagner
Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart
ISBN 3-440-07511-7

BLV Bestimmungsbuch
Bäume und Sträucher
Ulrich Hecker
BLV Verlagsgesellschaft mbh
München Wien Zürich 1995

Keine Kommentare

No comments yet.

RSS  Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack  URI

Sorry, the comment form is closed at this time.

rssRSS
Powered by WordPress