Die Vogelkirsche (Prunus avium L.)

Baum des Jahres 2010

Die Vogelkirsche ist mit Ausnahme des äußeren Nordens und Nordostens in Europa weit verbreitet. Ihre Verbreitung reicht bis Kleinasien und den Kaukasus. Sie gedeiht auch gut in den Alpen bis in Höhen von 1500 m über NN.

Artenmerkmale
Vogelkirsche - Baum des Jahres 2010

  • Höhe: bis 25 m
  • Durchmesser: bis zu 50 cm (max. 80 cm)
  • Alter: 80 bis 90 Jahre
  • Blätter: Die Laubblätter sind wechselständig angeordnet, 6 bis 15 cm lang und 4 bis 8 cm lang, länglich-oval bis verkehrt-eiförmig, ziemlich dünn und schlaff, am Grunde keilig oder abgerundet und vorne zugespitzt. Die Blattoberseite ist glatt, dunkelgrün und die Unterseite ist hellgrün. Der Blattrand ist grob gesägt, mit unregelmäßigen, nach vorne weisenden Zähnen und die Spitze ist meist ganzrandig. Der Blattstiel ist 2 bis 4 cm lang. Die Laubblätter färben sich im Herbst meist gelb und rot.
  • Blüte: Die Vogelkirsche wird mit 20 bis 25 Jahren mannbar und blüht im April/Mai. Darauf folgt bald der Laubaustrieb. Die durchscheinenden, weißen Blüten haben einen Durchmesser von 2,5 bis 3 cm und besitzen bis zu 20 Staubblätter.
  • Früchte: Die Steinfrüchte der Vogelkirsche reifen im Juli und sind kleine kugelige Kirschen mit einem Durchmesser von 10 bis 15 mm. Die Früchte sind zunächst rot dann dunkel- bis schwarzrot und glänzend. Sie schmecken bittersüß und enthalten einen glatten, hellen, rundlichen Steinkern.
  • Borke: Die Rinde ist glatt, graubraun, leicht glänzend, mit großen rostfarbenen, quergestellten Lentizellen (Ringelborke), die unter der sich abhebenden Epidermis hervorbrechen.
  • Wurzelsystem: Die Vogelkirsche hat ein kräftiges, weitreichendes, flach angelegtes Herzwurzelsystem mit ausgeprägten Seitenwurzeln. Die Wurzeln reichen bei lockerem Boden (z.B. Sandboden) häufig bis 3 m, bei dichtem Boden (z.B. Lehmboden) etwa 70 cm tief.

Standortansprüche
Die Vogelkirsche ist eine Lichtbaumart. Sie bevorzugt warme, sonnige Lagen und gedeiht am besten auf frischen, nährstoffreichen, kalkhaltigen Böden.

Waldbauliche Eigenschaften
Bei entsprechender Pflege auf geeigneten Standorten ist die Produktion von Wertholz innerhalb kurzer Zeiträume möglich. Sie benötigt viel Licht und ist daher sehr pflegeintensiv. Eine regelmäßige Entnahme von Konkurrenzbaumarten (Bedränger) im Waldbestand ist daher notwendig. Ein Schutz (i. d. R. Zaunschutz) gegen Wildverbiß und Fegen ist meist nicht zu umgehen. Auf graswüchsigen Standorten und feldnahen Lagen ist auch mit Mäuseschäden zu rechnen. Die Vogelkirsche ist auch ein Vogelschutzgehölz, das den Vögeln Nahrung bietet, die wiederum zur Verbreitung der Art betragen.

Holzeigenschaften
Das Holz ist schwach duftend und feinfaserig, hat einen rötlich-weißen bis gelblichen, schmalen Splint, einen rötlich-goldbraunen Kern, ist sehr hart, schwer spaltbar, glänzend, gut polierbar, ziemlich wertvoll und für Drechsel- und Tischlerarbeiten, Furniere, hochwertige Möbel und Instrumente sehr gesucht.

Literatur
Das Kosmos Wald- und Forstlexikon
Erlbeck ;Haseder; Stinglwagner
Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart
ISBN 3-440-07511-7

Die Einheimischen und die wichtigsten fremdländischen Baumarten
Aus dem Institut für Waldbau, Abteilung für Waldbau der Tropen und Naturwaldforschung,
Göttingen 1992

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