Die Fichte (Picea abies L.)

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Fichte besteht aus drei Teilarealen. In Deutschland ist das großflächige, natürliche Vorkommen nur in den Alpen. Im Harz, Bayrischen Wald oder auch Schwarzwald gibt es nur vereinzelte natürliche Vorkommen. Ihr heutiger Anteil in deutschen Wäldern beträgt rund 26 %.

Natürliche Verbreitungsgebiet

  • Nordisch-baltisches Tieflandvorkommen: Nordskandinavien bis Südnorwegen. Die Verbreitungsgrenze der Fichte liegt in Nordskandinavien bei 100-200 m und steigt in Südnorwegen auf 400 m.
  • Herzynisch-karpatisches Berglandvorkommen: Montane (450-600m) bis subalpine Höhenlage. Karpaten, Tatra, Herzynisches Mittelgebirge, Böhmerwald, Bayerischer Wald. Die Verbreitungsgrenze liegt im Harz unter 1000 m, im Bayerischen Wald unter 1450 m und steigt in den Ostkarpaten auf 1770 m.
  • Alpin-südosteuropäisches Gebirgsvorkommen: Alpen, Schwarzwald, Vogesen, Schweizer/Französische Jura. Die Verbreitungsgrenze liegt in den Nord- bzw. Südalpen bei 1700-1800 m und den Zentralalpen bei 2100 m.

Artenmerkmale

  • Höhe: bis 50 m
  • Durchmesser: bis 150 cm
  • Alter: bis 600 Jahre

Blätter/Nadeln

Die so genannten Nadeln sind etwa 1 bis 2,5 cm lang und ca. 2 mm breit. Sie sind sehr spitz, kantig, häufig säbelförmig gekrümmt und sitzen einzeln auf kleinen braunen Blattkissen ( Die Nadeln von Tanne/Eibe/Douglasie sind durchgehend grün). Die Nadeln sind dunkelgrün und weisen beidseitig schwache weiße Linien (Spaltöffnungslinien) auf. Die Lebensdauer der Nadeln beträgt normalerweise 6 Jahre.

Kronenform

Hinsichtlich der Kronenausbildung haben sich je nach geographischer Lage verschiedene Formen ausgebildet, z.B.: Kammfichte: breitkronig, raschwüchsig (schneebruchgefährdet, d.h. in schneearmen Lagen) – Plattenfichte: Krone schmal, viele waagerechte Äste, Benadelung dicht, Nadeln kurz (kaum Windbruch- oder Schneebruchgefährdung, Hochgebirge und nördliche Verbreitungszone).

Blüte

Im Bestand wird die Fichte mit etwa 50 bis 60 Jahren, im Freistand mit 30 bis 50 Jahren mannbar. Die Blütezeit ist im April/Mai. Die Blüten sind eingeschlechtig und einhäusig; sie befinden sich an den vorjährigen Trieben im oberen Wipfelbereich. Die männlichen Blüten sind bis 25 cm lange, rotgelbe Kätzchen, die aufrecht auf den Zweigen sitzen. Die weiblichen Blüten stehen in zuerst aufrechten, purpurroten, 2 bis 4 cm langen Zapfen, die sich nach der Befruchtung abwärts neigen.

Frucht

Die Zapfen reifen im Oktober/November, sind braun, zylindrisch, etwa 10 bis 16 cm lang und geöffnet ca. 3 bis 5 cm breit. Sie hängen vom Baum). Die Zapfenschuppen haben glatte Ränder, nur am oberen Rand sind sie meist gezähnt. Im Spätwinter bzw. Frühjahr öffnen sich die Zapfen und die Samen fallen heraus. Danach fallen die Zapfen ab. Die Zapfen stellen eine wichtige Nahrungsgrundlage für verschiedene Kleinsäuger (Eichhörnchen, Mäuse) und Vögel (Fichtenkreuzschnabel) dar.

Borke

Die Borke ist anfangs glatt und rötlichbraun (daher auch der Name Rottanne), wird aber mit zunehmendem Alter graubraun mit rundlichen, am Rand sich aufbiegenden Schuppen.

Wurzelsystem

Wurzelsystem:
Auf gut durchlüfteten Böden bildet die Fichte ein stabiles Senkerwurzelsystem aus, welches bis zu 2 m tief in den Boden einzudringen vermag. Auf feuchten oder nassen Böden (schlechte Durchlüftung) wurzelt sie nur 20 bis 30 cm tief und entwickelt die sog. Tellerwurzel. Dieses Wurzelsystem gibt dem Baum nur sehr wenig Halt, so dass die Fichte auf diesen Standorten stark windwurfgefährdet ist. Daher wird die Fichte auch als Flachwurzler bezeichnet.

Standortansprüche

Die Fichte stellt nur hinsichtlich der Wasserversorgung hohe Anforderungen. Die Böden müssen aber gleichzeitig noch gut durchlüftet bleiben. Der Standortkundler bezeichnet diese Böden als frisch bis mäßig frisch, d.h. ganzjährig (mit Ausnahme sehr heißer Sommermonate) ist eine gute bis ausreichende Wasserversorgung gewährleistet. Bezüglich der Nährstoffansprüche ist die Fichte eher anspruchslos.
Klimatisch bevorzugt die Fichte winterkaltes Kontinental- und Gebirgsklima. Trockene Böden werden gemieden. Auch trocken-warmes Klima bekommt der Fichte nicht.

Waldbauliche Eigenschaften

Die Fichte ist eine der wichtigsten Baumarten für die Forstwirtschaft; nicht umsonst wird sie auch als Brotbaum bezeichnet. Als schattenertragende Baumart läßt sie sich gut mit anderen Arten mischen. Reinkulturen werden heute nur noch selten gepflanzt, da sie gegenüber biotischen (Borkenkäfer) und abiotischen Faktoren (Sturm) zu anfällig sind. Auch die sehr schlecht zersetzbare Streu, die die Bodenversauerung verstärkt, sowie die Förderung von schlechten Humusformen (Rohhumus) sprechen gegen Reinkulturen. Ein weiteres Argument auf vielen Standorten gegen die Fichte ist der Klimawandel. Aufgrund der hohen Ansprüche an die Wasserversorgung wird sie durch die drohenden trocknen Sommer immer wieder in „Trockenstress“ kommen. Dies führt zu einer Vitalitätseinschränkung, so dass sie für Schädlinge anfälliger wird und die Wuchsleistungen nachlässt.
Gängige Mischbaumarten sind z.B. Buche, Bergahorn, Tanne. Das Nutzungsalter der Fichte wird mit ca. 100 Jahren bei einem BHD (Brust-Höhen-Durchmesser) > 45 cm erreicht.

Harvester im Fichtenbestand

Holzeigenschaften

Das Holz der Fichte ist sehr hell, weißlich, ohne Kernverfärbung, leicht, weich, harzreich und tragfest. Es ist nur sehr bedingt witterungsbeständig und daher für den Außenbereich ungeeignet. Es ist gut bearbeitbar und wird als Bauholz, als Balken und Latten für Dächer, Fenster, für Täfelungen, Fußböden und Zäune verwendet. Auch Spielzeug, Möbel und Verpackungsmaterialien werden daraus hergestellt. Darüber hinaus ist Fichtenholz ein wichtiges Produkt für die Papierherstellung. Im Hochgebirge kommt es bei einigen Fichten zu Unregelmäßigkeiten im Faserverlauf des Holzes, dem sog. Wimmerwuchs. Dieses Holz ist für den Bau von Musikinstrumenten sehr begehrt.

Geschichte

Die Buche als Klimaxbaumart löste vielerorts die Eiche ab, nachdem sich das Klima zugunsten der Buche verbessert hatte (~ 3000 v. Ch.). In der Vergangenheit hatte sie einen weitaus größeren Stellenwert als heutzutage; sie war der Hauptbrennholzlieferant und diente außerdem im Mittelwald (alte Bewirtschaftungsform der Wälder) der Viehmast. Darüber hinaus wurde aus Buchenholz auch Holzkohle und Pottasche zur Glasherstellung produziert. Wie groß die Bedeutung der Buche einst in der Bevölkerung war, läßt sich z.B. daran ermessen, dass heute noch ca. 1500 Ortsnamen auf die Buche zurückzuführen sind. Auch das Wort Buchstabe ist von dem Namen Buche abgeleitet, denn in früheren Zeiten wurden Stäbe aus Buchenholz geworfen und daraus Zeichen gelesen (Runen).

Borkenkäfer

Der Borkenkäfer ist der größte Feind des Borkenkäfers – heißt es häufig. Dem ist nicht ganz so! Im natürlichen Verbreitungsgebiet der Fichte ist die Vegetationszeit sehr kurz. Der Frühling beginnt im April/Mai und der Herbst schon im September. Das Klima ist dort feucht und kühl. Dies sind keine guten Voraussetzungen für eine Massenvermehrung der Borkenkäfer (Buchdrucker und Kupferstecher). Vitale Fichten wehren einen Angriff mit einer “Verharzung” des Käfers gut ab. Geschwächte sterben, aber es kommt in der Regel nie zu großflächigen Kahlflächen. Anders in trocken, warmen Regionen, wo die Fichte natürlicherweise gar nicht vorkommt. Hier kann der Borkenkäfer riesige Schäden anrichten.

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Literartur

Das Kosmos Wald- und Forstlexikon
Erlbeck; Haseder; Stinglwagner- Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart
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