Pflege einer Streuobstwiese

Alte Obstbäume sind im ganzen Jahr eine Augenweide. Jahrhundertelang bestimmten sie das Landschaftsbild in unserer Region. Vor allem die Streuobstwiesen sind von hohem ökologischen Wert, bieten sie doch in der Kombination mit einer schonenden Wiesennutzung einer Fülle von Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. So sind viele selten gewordene Vogelarten, wie Gartenrotschwanz, Wendehals und Steinkauz oft nur noch in alten Streuobstbeständen zu finden. Auch viele Fledermausarten suchen Streuobstwiesen zur Nahrungsaufnahme auf oder nutzen das meist reiche Höhlenangebot der alten Bäume als Schlaf- und Nistplatz. Die heimischen Bilche – das sind Siebenschläfer, Gartenschläfer und Haselmaus – brauchen ebenfalls den Strukturreichtum und die hohe Produktivität dieses Habitates.

Doch wie der Einzelbaum im Garten, so brauchen auch die Obstbäume auf der Wiese einen regelmäßigen Pflegeschnitt, sollen sie einerseits einen gleichbleibend guten Ertrag und große Früchte bieten und andererseits auch ein hohes Lebensalter erreichen. Heutzutage ist dieses Wissen über den Zusammenhang zwischen Pflege und Ertrag und über den richtigen Pflegeschnitt weitgehend aus dem Bewusstsein verschwunden.

Streuobstwiese
Durch die Vereinbarung mit der Stiftung Unternehmen Wald Deutschland e.V. und dem Engagement von Bronchicum konnte Ende Oktober, Anfang November 2006 eine 0,9 ha große Weide in der als Naturschutz- und FFH-Gebiet ausgewiesenen Siegaue, nördlich der Ortschaft Geislar im Bonner Norden grundgepflegt werden.

Die Fläche befindet sich im Eigentum des Landwirtes Heinz Kurscheidt aus Geislar, einem der letzten Vollerwerbslandwirte Bonns, der neben der Bewirtschaftung großer Ackerflächen auch noch Grünlandbewirtschaftung mit Rinder- und Pferdehaltung betreibt.
Gerade für die Pflege dieser Obstweide ist dieser Umstand von großer Bedeutung, da einige Vogelarten, die in Obstwiesen brüten, möglichst ganzjährig auf kurzrasige Flächen im Umfeld ihres Brutplatzes zur Nahrungssuche angewiesen sind. Dies trifft unter anderem für den stark gefährdeten und im Bonner Raum extrem seltenen Steinkauz zu, der hier noch vor wenigen Jahren durchgängig brütete und seitdem zumindest noch jahrweise zur Brut schreitet. Unter avifaunistischen Gesichtspunkten gilt der genannte Obstwiesenbestand am Marienhof an der Sieg daher als besonders schützens- und erhaltenswert.
Der Zustand des Grünlandbestandes entspricht dem allgemeinen Durchschnitt im Bereich der Siegaue. Zwar findet keine Düngung durch den Nutzer statt (u.a. auch festgelegt in der Naturschutzverordnung über das NSG Siegmündung), doch hat die Fläche in den vergangenen Jahrzehnten eine regelmäßige Düngung durch die Sedimente aus dem Sieg- und Rheinhochwasser erfahren, so dass sich insgesamt nur ein mäßiger Artenreichtum in der Flora hat halten können. Der Pflegezustand des Grünlandes kann unter dem oben erwähnten faunistischen Aspekt aber als gut bezeichnet werden, da eine regelmäßige, aufwuchsgerechte Beweidung den Aufwuchs fast ganzjährig kurzrasig hält.
Anders aber der Zustand der Bäume. Zwar steht der Eigentümer grundsätzlich der alten Kulturform mit hochstämmigen Obstbäumen positiv gegenüber, doch sah er für sich keinen wirtschaftlichen Sinn in einer eigentlich seit mehr als zwanzig Jahren überfälligen Pflege der Bäume. Als vor etwa fünfzehn bis zwanzig Jahren ein Großteil des Bestandes zusammenbrach, stimmte er der Neupflanzung von hochstämmigen Obstbäumen alter Sorten als Maßnahme des Landschaftsplanes zu, so dass heute der etwa dreißig Bäume umfassende Bestand zu zwei Dritteln aus etwa fünfzehn- bis zwanzigjährigen Bäumen besteht und ein Drittel aus siebzig- bis achtzigjährigen Altbäumen. Trotz verschiedener Versuche war es in der Vergangenheit nicht möglich, den überalterten Altbaumbestand und die in ebenfalls mangelhaftem Pflegezustand befindlichen jüngeren Bäumen zu pflegen. Dies wurde erst in diesem Jahr durch die Vereinbarung mit der Stiftung Unternehmen Wald ermöglicht.
Pflege Streuobstwiese
In der zweiten Oktoberhälfte und Anfang November konnte durch das Landschaftspflegeteam der Biologischen Station Bonn an insgesamt fünf Tagen der komplette Obstbaumbestand fachgerecht beschnitten werden. Hierzu wurde das brüchige Totholz entfernt sowie durchgewachsene Wasserreiser und andere, die Grundstruktur überdeckende Äste herausgenommen. Das anfallende Astmaterial wurde von der Fläche entfernt und randlich gelagert, wo es im Winter durch den Landwirt als Verbau für einen illegalen Trampelpfad eingesetzt werden soll.

Keine Kommentare

No comments yet.

RSS  Feed für Kommentare zu diesem Beitrag.

Sorry, the comment form is closed at this time.

rssRSS
Powered by WordPress