Fledermausprojekt

Waldfledermäuse in Bayern – ein Monitoringprojekt

In Bayern wird seit vielen Jahren die Verbreitung der heimischen Fledermausarten untersucht. Bereits 1985 wurde vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) das „Artenhilfsprogramm Fledermäuse” ins Leben gerufen.

Zur Durchführung wurden zwei Koordinationsstellen für den Fledermausschutz in Nord- (Universität Erlangen) und Südbayern (Universität München) eingerichtet, die für die Erfassung von Fledermausbeständen und die Erarbeitung von Schutzkonzepten verantwortlich sind. Sie werden von vielen engagierten ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt, die vor Ort Fledermausvorkommen kontrollieren und Schutzmaßnahmen umsetzen. Durch diese Arbeiten besteht in Bayern ein guter Kenntnisstand über die Verbreitung der Gebäude besiedelnden Fledermäuse.

AbendsegelerAnders verhält es sich bei Arten, die Baumhöhlen besiedeln, da ihre Erfassung ungleich schwieriger ist. Gerade am Alpenrand und im Alpenvorland sind Verbreitung und Häufigkeit von Waldfledermäusen nur unzureichend bekannt. Insbesondere bei den „Urwaldarten” Mopsfledermaus und Bechsteinfledermaus fehlen entsprechende Daten, da die Quartiere dieser Arten (Baumhöhlen, Spalten hinter Rinde) nur mit hohem Aufwand systematisch zu kontrollieren sind. Der Nachweis dieser Arten ist jedoch ein wichtiges Argument für Naturschutz im Wald, insbesondere für den Erhalt von Altholzinseln und höhlenreichen Beständen, da Mops- und Bechsteinfledermaus als FFH-Arten (Anhang II der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) europaweit eine hohe Schutzpriorität genießen. Eine wirksame Methode zum Nachweis dieser Fledermausarten, die zugleich das Quartierangebot für sie verbessert, ist der Einsatz von Fledermauskästen. Durch die regelmäßige Kontrolle ausgebrachter Kästen lässt sich die Artenzusammensetzung der örtlichen Fledermausfauna auf einfache Art überprüfen.

Durch die Förderung dieses Erfassungsprojektes durch die Stiftung Wald und die Marke Bronchicum konnten im Herbst 2006 in den Landkreisen Mühldorf, Miesbach und Rosenheim insgesamt 97 Fledermauskästen in naturschutzfachlich bedeutsamen Wäldern ausgebracht werden.

Mit folgenden Fledermausarten kann in den Untersuchungsgebieten gerechnet werden:

  • Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)
  • Fransenfledermaus (Myotis nattereri)
  • Große Bartfledermaus (Myotis brandtii)
  • Großes Mausohr (Myotis myotis)
  • Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus)
  • Wasserfledermaus (Myotis daubentonii)
  • Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)
  • Kleiner Abendsegler (Nyctalus leisleri)
  • Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus)
  • Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii)
  • Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)
  • Braunes Langohr (Plecotus auritus)
  • Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus)

Ausgewählte Waldgebiete und Kastentypen:
In folgenden 7 Waldgebieten wurden die Kästen angebracht:

– Herreninsel (Chiemsee; Lkr. Rosenheim)
– Hangleitenwälder am Inn bei Vogtareuth (Lkr. Rosenheim)
– Hangleitenwälder am Inn bei Gars (Lkr. Mühldorf)
– Mühldorfer Hart (Lkr. Mühldorf)
– Eibenwald an der Mangfall bei Miesbach (Lkr. Miesbach)
– Hangwälder östlich Tegernsee (Lkr. Miesbach)
– Hangleitenwälder an der Mangfall bei Weyarn (Lkr. Miesbach)

Alle Standorte von Kastengruppen wurden mittels GPS vermessen und dokumentiert. Sie werden in der Datenbank der Koordinationsstelle für Fledermausschutz gespeichert. Die jährliche Kontrolle der Kästen erfolgt durch Mitarbeiter der Koordinationsstelle, der Naturschutzbehörden oder durch ehrenamtliche Fledermausschützer.

Bisher liegen nur aus wenigen Untersuchungsgebieten einzelne Fledermausnachweise vor:
Im Hangwald bei Gars wurden Abendsegler bei der Fällung eines hohlen Baumes nachgewiesen und im Mühldorfer Hart gelangen bei der Kontrolle von Vogelnistkästen Funde von Abendseglern, Fransenfledermäusen und Braunen Langohren. Auf der Herreninsel konnten im Zuge mehrjähriger Erhebungen (Netzfänge, Kontrolle von Fledermauskästen und Quartieren an/in Gebäuden) folgende Arten nachgewiesen werden, die auch in Fledermauskästen auftreten können: Fransenfledermaus, Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Kleine Bartfledermaus, Wasserfledermaus, Großer Abendsegler, Kleiner Abendsegler, Mückenfledermaus, Rauhautfledermaus, Zwergfledermaus, Braunes Langohr, Mopsfledermaus.

Dr. Andreas Zahn
Koordinationsstelle für Fledermausschutz Südbayern

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