Die erstaunliche Resilienz tropischer Regenwälder
Gerodete Regenwälder erholen sich schneller als gedacht.
Eine in Nature veröffentlichte Studie unter Leitung der TU Darmstadt liefert überraschend optimistische Erkenntnisse zur Regeneration tropischer Regenwälder – und stellt viele bisherige Annahmen infrage.
Untersucht wurden Daten aus Sekundärwäldern in Ecuador mit insgesamt rund 8.500 dokumentierten Arten aus verschiedenen Tier- und Pflanzengruppen. Das Ziel der Untersuchung war herauszufinden, wie sich Regenwälder nach menschlicher Nutzung (z. B. Rodung oder landwirtschaftlicher Nutzung) langfristig wieder erholen.
Drei Viertel der Primärwaldtypischen Tier- und Pflanzenarten kehren zurück
Forscherinnen und Forscher von mehr als 30 Universitäten und Institutionen haben dafür die natürliche Regeneration 16 verschiedener Organismengruppen (Tier-, Pflanzen- und Bakterienarten) entlang eines Regenerations-Gradienten erstmals genauer untersucht. Insgesamt 62 Flächen wurden verglichen, die seit einigen Jahrzehnten durch die ecuadorianische Naturschutzorganisation Jocotoco geschützt und in ein großes Naturschutzgebiet integriert wurden: aktiv genutzte Weiden und Kakaoplantagen, unterschiedlich alte Sekundärwälder die vormals als Weiden und Plantagen genutzt wurden, und unberührte Urwälder.
Nach 30 Jahren erholen sich Regenwälder

Innerhalb von etwa 30 Jahren nach Aufgabe der Nutzung kehren rund 90 % der ursprünglichen Artenvielfalt zurück. Das bedeutet: Die Anzahl der Arten in den Sekundärwäldern nähert sich wieder dem Niveau intakter Regenwälder an – bezogen auf die untersuchten Arten.
Auch die Artenzusammensetzung – also welche konkreten Arten vorkommen – erholt sich deutlich, allerdings langsamer: Hier werden etwa 75 % der ursprünglichen Zusammensetzung wieder erreicht. Das zeigt, dass viele typische Waldarten zurückkehren, aber ein Teil der ursprünglichen ökologischen Struktur noch fehlt.
Besonders wichtig: Die Regeneration passiert nicht zufällig. Tiere spielen eine zentrale Rolle. Vogelarten, Fledermäuse und andere mobile Tiere tragen durch Samenverbreitung aktiv dazu bei, dass sich Wälder wiederaufbauen und komplexe ökologische Netzwerke entstehen.
Sekundärwälder sind keine Urwälder
Gleichzeitig betonen die Forschenden aber auch die Grenzen dieser Entwicklung. Sekundärwälder erreichen zwar hohe Werte bei Artenvielfalt, ersetzen jedoch nicht vollständig die ökologischen Funktionen alter Primärwälder. Vor allem spezialisierte Arten und sehr komplexe Lebensgemeinschaften kehren oft nur unvollständig zurück.
Quelle: IDW, 8. April 2026