Wälder unter Klimastress

Warum Bäume trotz Frühstart weniger wachsen

Eine Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) zeigt: Trotz früherem Austrieb im Frühling wachsen viele Bäume langsamer, weil die Sommer zunehmend heißer und trockener werden. Bäume wachsen nur, wenn genügend Wasser verfügbar ist. Ist es zu heiß oder trocken, verdunstet mehr Wasser, als die Wurzeln aufnehmen können – der Baum gerät unter Stress, und das Wachstum stoppt. Je nach Baumart und Witterung bleiben so nur 40 bis 110 effektive Wachstumstage pro Jahr. «Am Ende entscheiden einzelne Tage und Stunden, wie viel ein Baum wächst», erklärt WSL-Forscher Bose. Ein früher Start nützt wenig, wenn Hitze und Trockenheit kritische Wachstumsphasen verkürzen.

Zeitraum für Photosynthese verlängert sich

Bose hat das Wachstum von fünf häufigen Baumarten an 48 Standorten in der Schweiz ausgewertet. Über die letzten elf Jahre hat sich die Vegetationsperiode um mehrere Tage nach vorne verschoben – der Zeitraum, in dem Bäume Photosynthese betreiben können. Trotz früherem Saisonstart nahm das jährliche Stammwachstum bei vielen Beständen ab, besonders bei Weisstannen, Buchen und Fichten, während Eichen und Föhren weitgehend gleich blieben. Keine der untersuchten Arten profitierte vom wärmeren Klima.

Punktdendrometer werden am Stamm montiert und messen kontinuierlich und im Mikrometerbereich, wie sich der Baumstamm ausdehnt und zusammenzieht. Foto: Roman Zweifel, WSL

Bäume speichern bei Hitze weniger CO2

Das hat Folgen für die Leistungen der Wälder: Sie speichern weniger CO₂, da ein geringerer Stammdurchmesser bedeutet, dass weniger Kohlenstoff in den Bäumen gebunden wird. Auch die Waldwirtschaft spürt die Auswirkungen: Weniger Wachstum heißt weniger Holzernte, und die Bewirtschaftung muss an die veränderten Klimabedingungen angepasst werden. «Wie Bäume auf den Klimawandel reagieren, hängt sowohl vom Standort als auch von der Art ab. Deshalb ist es wichtig, Management-Strategien lokal und artenspezifisch zu beurteilen», betont Bose.

Quelle: IDW, 7.1.2026 – zur PM