Der Feldhase (Lepus europaeus)

Wildtier des Jahres 2001

Der Hase gehört in die Ordnung der Hasenartigen (Lagomorpha) und zur Familie der Hasen (Leporidae).

Der Feldhase
Foto aus Fritz Oehsen Jäger-Einmaleins, erschienen im Landbuch-Verlag

Vorkommen:
Der Feldhase ist in ganz Europa verbreitet. Im Hochgebirge wird er durch seinen Verwandten, den Schneehasen, abgelöst.
Als ursprünglicher Steppenbewohner besiedelt der Hase heute landwirtschaftliche Flächen und besonders solche, auf denen Gemüse angebaut wird. Er schätzt trockene Böden, Feldgehölze, Hecken und kleine Wäldchen. In größeren Waldgebieten trifft man Hasen nur selten an; sie werden auch als „Waldhasen” bezeichnet.

Sinne:
Der Feldhase vernimmt (hört) sehr gut und nimmt in der Sasse (kleine Mulde) auch Bodenerschütterungen, z.B. bei Annäherung des Menschen, sehr fein wahr. (Daher auch der Volksglaube, der Hase schlafe mit offenen Augen). An seinen Lippen und an der Stirn befinden sich lange borstenartige Haare (Tastsinnorgan), die die Reichweite des Tastsinns erhöhen. Der Geruchssinn ist ebenfalls sehr gut ausgeprägt, der Gesichtssinn (sehen) hingegen ist nicht besonders entwickelt. Der Hase ist hauptsächlich auf das Erfassen von Bewegungen ausgerichtet (Bewegungsseher).
Gerät der Hase in Not, gibt er ein quäkendes Klagen (Hasenklage) von sich, das dem Geschrei eines kleinen Kindes gleicht.

Lebensweise:
Den Tag verbringt der Hase meist ruhend geduckt in seiner Sasse. Als Deckung für den Tag bevorzugt er Hecken, Feldgehölze, umgepflügte Äcker und Grabenböschungen. Je nach Wind und Wetter wählt er die Lage der Sassen in seinem Wohnrevier; er bevorzugt warme und windstille Plätze. Immer benutzt er eine ausgescharrte Sasse, in der er sich mit der Nase und angelegten Löffeln (Ohren) gegen den Wind drückt. Bevor er sich in die Sasse legt, macht er einen weiten Absprung unter Wind, um Verfolger rechtzeitig wahrnehmen zu können.
Zur Dämmerung wird er aktiv und geht auf Nahrungssuche. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus saftigen Gräsern, Kräutern, Wurzeln, Getreidesaaten, Kohl und Rüben. Im Winter sind es auch Knospen, Triebe und Rinde.

Hasen leben als Einzelgänger oder im Paar, finden aber an Äsungsplätzen verträglich zusammen. Die natürlichen Feinde des Hasen sind Fuchs, Marder, Eule, Iltis, Wiesel, Habicht, Milan, wildernde Hunde und Katzen. Daneben dezimieren Mähmaschinen und Pflüge den Bestand. Hohe Verluste entstehen auch durch Pflanzenschutz- und Unkrautvertilgungsmittel, den Straßenverkehr und nasse, feuchte Witterung über einen längeren Zeitraum.

Fortpflanzung:
Die Hasen „rammeln” bei günstigem Wetter schon von Ende Dezember an bis in den August, was drei oder vier Sätze zur Folge hat. Im Vorfrühling finden sich die Hasen auf der offenen Feldflur ein, und ein wildes Treiben zwischen Rammlern und Häsinnen beginnt. Bei diesem Paarungsspiel lernen sich die Paare kennen, die in der Regel nach erfolgter Begattung zusammen bleiben. Der Hase lebt also nicht polygam, sondern in Einehe, die das ganze Jahr über andauert. Der Rammler beteiligt sich jedoch nicht an der Aufzucht der Jungen. Die Häsin bringt nach 6 Wochen Tragzeit meist drei-, selten viermal im Jahr einen Satz von zwei bis vier Junghasen zur Welt. Sie kommen behaart und sehend zur Welt und sind sog. Nestflüchter. Sie werden tagsüber abgelegt und täglich, meist nachts, etwa zwei- bis dreimal von der Häsin aufgesucht und gesäugt. Nach drei bis vier Wochen sind die Junghasen selbständig. Bis zu 80 % der Junghasen gehen durch schlechte Witterung, Feinde und Krankheiten zugrunde.

 
Literatur:

Das praktische Handbuch der Jagdkunde

Fritz Nüßlein
BLV Verlagsgesellschaft mbH
ISBN 3405147891

Jäger-Einmaleins
Fritz Oehsen
Landbuch-Verlag
10. Auflage
ISBN 3 7842 0386 3

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