Waldzustandsberichte 2006

Niedersachsen legt Waldzustandsbericht 2006 vor – dem Wald ist es zu warm und zu sauer

Zustand der Thüringer Wälder unverändert

Bayerische Wälder erholen sich langsam

Niedersachsen:

Neben den bereits langjährig bekannten Schadeinträgen durch Säure und Stickstoff-Verbindungen treten zunehmend klimatische Veränderungen und ihre Auswirkungen auf die Waldbestände in den Focus der forstlichen Forschung. Seit Ende der 80er Jahre zeigt sich in Niedersachsen eine Erwärmungstendenz, die ihren vorläufigen Höhepunkt im Juli 2006 erreichte. Das ist eines der Ergebnisse der jährlichen Untersuchungen, die Forstminister Hans-Heinrich Ehlen mit dem Waldzustandsbericht vorlegte. “Die Widerstandskraft unserer Waldökosysteme ist bereits durch die chronische Belastung durch Stoffeinträge und Bodenversauerung beeinträchtigt, weitere Stressfaktoren, wie Hitze und Trockenstress, schränken sie weiter ein”, warnte Ehlen.

In der Folge wachsen die Bäume langsamer und forstliche Schadinsekten wie Borkenkäfer, Frostspanner und Eichenprachtkäfer werden begünstigt. Besonders die älteren Fichten gehören zu den Sorgenkindern der niedersächsischen Waldbesitzer. Bäume reagieren auf Stress mit einer deutlich sichtbaren Verlichtung der Nadeln und Blätter in der Krone. Der derzeitige Umbau der Wälder in naturnahe, strukturreiche und laubholzbetonte Mischwälder sei vor diesem Hintergrund ebenso unverzichtbar wie die Waldkalkung, erläuterte Ehlen.

Beim Umweltschutz gibt es Erfolge zu vermelden. Die Schwefeleinträge in den Waldboden sind dank intensiver Anstrengungen bei der Industrie und bei der Gebäudeheizung drastisch zurückgegangen. Doch müssten laut der Forstexperten die schädlichen Stoffeinträge, insbesondere Stickstoffverbindungen, noch deutlicher als bisher reduziert werden, um die Waldböden nachhaltig leistungsfähig zu erhalten.

Der Waldzustandsbericht 2006 geht ausführlich auf die einzelnen Baumarten und die Schadursachen ein. Er kann ab sofort heruntergeladen werden.

Zustand der Thüringer Wälder unverändert
Hitze und Trockenheit der Monate Juni und Juli wirkten sich im Jahr 2006 nachteilig auf den Zustand der Thüringer Wälder aus. Die Temperatur lag deutlich über den langjährigen Mitteltemperaturen und führte zu einer erheblichen Stresssituation bei der Wasserversorgung der Baumarten. Da die Niederschläge im Juli meist als Gewitterschauer und teilweise unwetterartig niedergingen, floss ein großer Teil dieser Wassermengen oberflächig ab und konnte nicht zur Auffüllung der Bodenwasservorräte genutzt werden. Insbesondere in Ostthüringen fiel die Wasserbilanz negativ aus.

Die Waldschadenserhebung 2006 weist in Thüringen 35 % der Waldfläche als deutlich geschädigt, 43 % als schwach geschädigt und 22 % ohne Schadmerkmale aus. Die Kronenverlichtung aller Baumarten liegt 2006 im Durchschnitt bei 23 % und ist gegenüber dem Vorjahr unverändert geblieben. Die Eiche ist dabei trotz geringfügiger Verbesserung mit 30,2 % Kronenverlichtung nach wie vor die am stärksten geschädigte Baumart in Thüringen.

Während die Bäume durch die sich häufenden Trockenperioden leiden, bieten diese nach Auskunft der Thüringer Forstexperten für Insekten günstige Entwicklungsbedingungen. Dadurch steigt z. B. das Risiko der Borkenkäferschäden insbesondere dort, wo durch die standörtlichen Verhältnisse von Natur aus die Wasserversorgung der Waldbäume angespannt ist. Hier wird es nach Ansicht der Thüringer Förster in Zukunft dringend erforderlich sein, einen verstärkten Waldumbau zu betreiben, um die anfälligen Bestände, zumeist Fichtenreinbestände, durch widerstandsfähige Baumarten zu ersetzen.

Bayerische Wälder erholen sich langsam
Der Zustand der bayerischen Wälder hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert. Im Schnitt haben die Bäume 22,7 Prozent ihrer Nadeln und Blätter verloren, wie Forstminister Josef Miller bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts erläuterte. Sie leiden noch unter den Nachwirkungen des Jahrhundertsommers 2003 mit Rekordschäden von 25 Prozent Nadel- bzw. Blattverlust aufgrund der damaligen Trockenheit. Wie von Experten erwartet, erholt sich der Wald trotz des für das Wachstum eher günstigen Wetters nur langsam. Rund ein Drittel der Bäume weist deutliche Schäden auf, hat also mehr als ein Viertel der Blätter oder Nadeln verloren.

Der durchschnittliche Nadel- und Blattverlust bei Fichten (20,8 Prozent), Kiefern (24,3), Tannen (25,0) und Buchen (26,4) liegt auf dem Niveau des Vorjahres. Allerdings haben die deutlichen Schäden bei der Buche um neun Prozentpunkte auf 46,9 Prozent zugenommen. Mit verantwortlich dafür ist laut Miller ein naturbedingter Einfluss: Die Buchen haben wegen der diesjährigen besonders starken Fruchtbildung viel Energie in die Anlage und Reife der Bucheckern, ihrer Früchte, gesteckt. Deutlich besser geht es dagegen der Eiche: Bei ihr hat der Blattverlust durch den Rückgang der Insektenschäden von 31 auf 24 Prozent abgenommen, die deutlichen Schäden sogar von 62 auf 37 Prozent.

Sorge bereitet dem Minister die nach wie vor hohe Grundbelastung der Wälder durch Luftschadstoffe wie Stickoxide und Ozon. Zudem hält die Massenvermehrung der Borkenkäfer in den Fichtenbeständen in einigen Landesteilen weiter an: Betroffen sind davon vor allem das westliche Mittelfranken und der Südosten Niederbayerns. Miller rief dazu auf, bei der Käferbekämpfung nicht nachzulassen. Die Wintermonate müssten genutzt werden, um befallene Bäume einzuschlagen und Brutmaterial rasch aus dem Wald zu entfernen bzw. zu mulchen oder zu häckseln.

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