Voranbau unter Fichte

Fichtenmonokulturen bestimmen heutzutage vielerorts unser Landschaftsbild. Die Gründe dafür liegen vor allem in der Bodenreinertragslehre, die Mitte letzten Jahrhunderts das Denken und Handeln der Forstleute bestimmte, sowie in den großflächigen Fichtenaufforstungen nach dem 2. Weltkrieg.

Die Probleme, die solche Fichtenreinbestände mit sich brachten wurden sehr bald deutlich. Mitte der 70iger und Anfang der 90iger Jahre wurden durch Orkane in Deutschland Tausende Hektar Fichtenwald umgeworfen. Ein weiteres Problem ist die schwer zersetzbare Nadelstreu, die zur Versauerung der Böden beisteuert, sowie die außerordentliche Artenarmut in solchen Beständen.

Aus diesen Gründen entschied man sich diese Monokulturen mit Hilfe von Voranbauten zu stabilen, standortgerechten Mischbestände umzuwandeln. Mitte der 90iger Jahre verabschiedete fast jedes Bundesland verbindliche Waldbaurichtlinien, in denen u.a. der Umbau von Fichtenreinbeständen gefordert wird. In vielen Beständen wurde bereits, mit Hilfe von Voranbauten, diese Überführung in Mischbestände begonnen.

Def.: Voranbau:
Voranbau ist die künstliche Einbringung von schattentoleranten Schlußwaldbaumarten in einen Altbestand mit dem Ziel der langfristigen Überführung in einen ungleichaltrig gestuften Mischbestand. Während beim sog. „passiven“ Voranbau natürlich entstandene Bestandeslücken genutzt werden erfolgt der „aktive“ Voranbau nach einer zielgerichteten Auflockerung zu dichter Altholzschirme.

Bsp.: Voranbau von Buche in einem Fichtenaltholz zur Überführung in einen stabilen Buchen- Fichten- Mischbestand.

Bei den für den Voranbau geeigneten Arten handelt es sich um schattentolerante Baumarten, die im Schutz eines Altholzschirmes aus dem Unterstand allmählich in die herrschende Schicht einwachsen.
Die Einbringung des Voranbaus hängt ganz wesentlich vom Zustand des zu bepflanzenden Bestandes und des Lichteinfalls ab. Wenn es sich um einen ungepflegten und instabilen Bestand handelt, sollte man schon früh in natürlichen Femelöchern mit dem Voranbau beginnen, da bei einem gegebenen Windwurf schon Unterstand vorhanden wäre. Im Idealfall sollte der Voranbau ca. 20 Jahre vor der Verjüngung des Altholzbestandes stattfinden. Somit gewährt man den vorangebauten Baumarten einen Wuchsvorsprung und ein großer Teil des Altbestandes hat dann schon die angestrebte Zielstärke von ≥ 45cm BHD erreicht. In relativ stabilen Reinbeständen wird also das zunehmende Lichtbedürfnis der Voranbauten durch die Entnahme zielstarker Bäume gesteuert, d.h. daß der Altbestand also noch optimal genutzt werden kann.
Beim Voranbau ist die Überschirmung aus folgenden Gründen sehr sinnvoll:

  • Natürliche Differenzierung durch lichtökologische Verhältnisse
  • Förderung der Feinastigkeit/Astreinigung => „edle Halbschattform“
  • Klimatisch ausgleichende Wirkung => atlantisches Klima
  • Extensivierung der Bestandespflege und damit geringere Pflegekosten im Jungwuchs- und Läuterungsstadium (biologische Automation)

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