Sicher Autobahnquerung für das Wild

Eberswalde – Ein Jahr nach der Fertigstellung der Grünbrücke über die BAB 11 im Bereich des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin liegen aus der Forschungsstelle für Wildökologie und Jagdwirtschaft der Landesforstanstalt Eberswalde die ersten Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleituntersuchungen zur Funktionsfähigkeit dieses für Brandenburg bisher einzigartigen Bauwerkes vor. Die Brücke wird sowohl ihrem Namen “grüne Brücke“ als auch ihrer Funktion als Wildtierpassage nach dieser relativ kurzen Zeit gerecht.

Mit Hilfe einer Video-Überwachungsanlage ließen sich im Zeitraum von Mai 2005 bis April 2006 insgesamt fast 2.300 Wildtierquerungen registrieren. Den Aufnahmen zufolge macht das Damwild bislang am häufigsten von der Möglichkeit einer gefahrlosen Überquerung der vielbefahrenen Autobahn Gebrauch. Daneben wechselten auch andere Wildarten, wie Rehwild, Schwarzwild, Feldhase, Rotfuchs, Dachs, Marderhund und Marder mit unterschiedlicher Häufigkeit über die Grünbrücke. Die Überquerungen erfolgten zumeist nachts, die Wildtiere zogen dabei überwiegend ruhig oder sogar äsend über die Grünbrücke.

Die Forscher leiten aus den beobachteten Verhaltensweisen ab, dass die große Mehrheit der das Bauwerk nutzenden Wildtiere diesen Bereich als Teil ihres Lebensraumes wahrnimmt und die Brücke als Wildtierpassage akzeptiert.

In Einem sind sich Wildbiologen, Jäger, Förster und Naturschützer allerdings einig: Von grundlegender Bedeutung für den Erfolg dieser lebensraumvernetzenden Baumaßnahme ist die möglichst umfassende Vermeidung jeglicher Störeffekte durch Menschen auf der Brücke und im unmittelbaren Umfeld. Deshalb erfolgen alle Aktivitäten an der Grünbrücke in enger Zusammenarbeit mit dem angrenzenden Waldbesitzer, dem Forstbetrieb Oettingen-Spielberg, der aus diesem Grunde auch auf die Jagdausübung in diesem Bereich verzichtet.

Den Untersuchungen des letzten Jahres zufolge sind die anfangs noch häufigen “Besuche“ der Grünbrücke durch Spaziergänger und –fahrer, Pilzsucher, Jogger, Radwanderer u.ä. im Verlauf der Zeit deutlich zurückgegangen. Das Aufstellen von Verbotsschildern und die Sperrung von Waldwegen schränkte diese Art “Brückentourismus“ erfolgreich ein und führte zu der angestrebten Beruhigung, die es zukünftig zu erhalten und auszubauen gilt – denn:

Der König der umliegenden Wälder, der Rothirsch, zog bislang wohl andere Wege vor, um über die Autobahn zu gelangen; das Rotwild wurde im vergangenen Untersuchungsjahr durch die Überwachungskamera nicht registriert.

Gegenwärtig ist die Autobahn im Bereich der Grünbrücke nur teilweise gezäunt. Die Zahl der Wildunfälle ist dadurch zwar rückläufig, die Gefahr von Wildtieren auf der Fahrbahn aber nicht restlos gebannt.
Erst mit dem weiteren Ausbau der BAB 11 und ihrer vollständigen Zäunung wird die Grünbrücke ihre volle Funktionsfähigkeit erlangen.

Deshalb werden die wissenschaftlichen Untersuchungen weitergeführt und sollen zukünftig dazu beitragen, allgemeingültige Empfehlungen für die Positionierung, Dimensionierung und Gestaltung weiterer Grünbrücken in Brandenburg zu erarbeiten.

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