Papier – ein Wegweiser für den Verbraucher

Papier ist ein elementarer Bestandteil in unserem Leben – ob nun als Kaffeefilter, Zeitung, Magazin, Getränkekarton, Büropapier oder als Taschentuch. Jedes Jahr verbraucht der Bundesbürger durchschnittlich 252,7 kg Papier (Stand 2006). Mit der Entwicklung der Computertechnik wurde das „papierlose Büro” vorausgesagt. Doch davon sind wir weit entfernt. Der Papierverbrauch hat sich seit 1950 mehr als versiebenfacht – Tendenz steigend. Würde man alleine das in Deutschland jährlich verbrauchte Kopierpapier aufeinander stapeln, ergäbe dies einen Turm von 16.000 Kilometern Höhe. Zum Vergleich: Die Flughöhe der Raumstation ISS beträgt 400 Kilometer.

Papier – ein Umweltkiller?
Grundstoff der Papierproduktion ist der Zellstoff, der aus dem Holz der Bäume gewonnen wird. Für die Papierproduktion wird weltweit jeder fünfte eingeschlagene Baum verwendet. Der Großteil des Zellstoffs für deutsches Papier stammt aus nordischen Waldregionen – vor allem aus Schweden und Finnland, wo eine Intensiv-Forstwirtschaft vorherrscht, und aus Kanada, wo noch immer Primärwald im Kahlschlagverfahren abgeholzt wird. Ebenso Holz aus russischen Urwäldern landet über skandinavische Zellstoffproduzenten in unserem Papier. Und auch der Importanteil von Zellstoff und Papier aus den Tropen nimmt zu. Ganze Landstriche wurden bereits für die Papierproduktion abgeholzt und nicht wieder aufgeforstet. Leidtragende sind wie immer die indigenen Bewohner sowie die Tier- und Pflanzenwelt.

Neben dem Waldverbrauch ist die Papierherstellung ein Ressourcen verbrauchender Prozess. Die Herstellung von Frischfaserpapier verschlingt enorme Mengen Energie und Wasser. Die Papierindustrie ist der fünftgrößte industrielle Energieverbraucher weltweit. Allein zur Produktion von Frischfaserpapier wird trotz erheblicher technischer Verbesserungen immer noch zuviel Wasser benötigt: im Schnitt 65 Liter für 1 Kilogramm Papier. Daneben verschmutzt die Papierindustrie vor allem in den Entwicklungsländern in besonders starkem Umfang die Flüsse durch schlecht geklärtes Abwasser.

Recyclingpapier – die gute Alternative?
Modernes Recyclingpapier eignet sich ohne Einschränkung für den Büro- und Schulalltag. Das belegen die praktischen Erfahrungen zahlreicher Unternehmen und bescheinigen Zertifikate von unabhängigen Institutionen. Trotzdem liegt der Marktanteil von reinem Recyclingpapier z.B. bei Kopierpapier und Zeitschriften nur bei 22 %.

Recyclingpapier schützt die letzten Urwälder dieser Erde und schützt Rohstoffe. Eine Tonne Recyclingpapier spart 1,8 Tonnen Holz gegenüber Frischfaserpapier. Papierfasern lassen sich sechs Mal wieder verwenden, wodurch der Primärrohstoff Holz geschont wird und den Wäldern zu Gute kommt. Recyclingpapier reduziert den Wasser- und Energieverbrauch und ist dazu meistens billiger als herkömmliches Papier.

⇒ Recyclingpapier hat eine gute Qualität, schützt die Umwelt und hilft beim Sparen.

Ökologisch einkaufen
Auf folgende Siegel und Label sollten Sie beim Einkauf von Papier achten:

Blauer EngelBlauer Engel Dieses Siegel garantiert, dass das Papier aus 100 % Altpapier, also aus Recyclingpapier stammt.
Unsere Empfehlung: empfehlenswert
Ökoplus
Ökoplus
Papier stammt ebenfalls aus 100 % Altpapier.
Unsere Empfehlung: empfehlenswert
Nordischer Schwan / nordic swanNordischer Schwan NORDIC SWAN-Zeichen steht für Nordic Environmental Label. Die so ausgezeichneten Papiere dürfen nicht mit elementarem Chlor gebleicht werden. Sie können, müssen aber nicht aus Altpapier bestehen. Das Zeichen garantiert keine Schonung der Wälder, da Primär- und Sekundärfaserpapier gleich eingestuft werden.
Unsere Empfehlung: eingeschränkt empfehlenswert
ProNatur
Aqua Pro Natura / Weltpark Tropenwald

Gibt an, dass das Holz nicht aus Tropenwäldern kommt. Allerdings kann es aus anderen Urwäldern (Kanada, Russland) stammen oder aus Wäldern, die nicht ökologisch bewirtschaftet werden. Daher ist es ein sehr fragwürdiges Label.
Unsere Empfehlung: nicht empfehlenswert

Sonstige Begriffe, die auf Papier zu finden sind:

Holzfreies Papier:
Holzfreies Papier bedeutet nicht, das es nicht aus Holz gewonnen wurde. Nur enthält es keine Nebenprodukte wie Lignin, das eine schnellere Vergilbung verursacht.

Chlorfrei gebleicht:
Wie der Name schon sagt, ist das Papier ohne Chlor gebleicht worden. Allerdings ist chlorfrei nicht gleich chlorfrei. Vielfach wird elementar-chlor-freies Papier (ECF), das mit extrem schädlichem Chlordioxid und/oder Chlorperoxid gebleicht wird, als chlorfrei vermarktet. Auch suggeriert es dem Verbraucher, dass es umweltfreundlich ist. Dabei ist es bestenfalls etwas weniger an der Verschmutzung der Gewässer beteiligt – keinesfalls jedoch am Erhalt der Urwälder.

TCF-Zeichen, 100 % chlorfrei gebleicht
TCF-Papier wird aus Frischfasern hergestellt. Die Abkürzung TCF steht für „Totally Chlorine Free“ oder auch „100 % chlorfrei gebleicht“. Es steht für den vollständigen Verzicht auf Chlor oder Chlorverbindungen bei der Bleiche. Gebleicht wird mit Sauerstoff oder Wasserstoffperoxid.

Weitere Informationen zu Alt- und Recyclingpapier erhalten Sie auf www.learn-line.nrw.de

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