Nachhaltigkeit statt Romantik: 80 Prozent der Deutschen befürworten die Nutzung des Waldes

Leipzig/Hannover. Verklärt durch die siegreiche Schlacht der Germanen gegen die Römer im Teutoburger Wald, beeindruckt vom Märchenwald der Gebrüder Grimm, verzaubert von den Landschaftsbildern des Malers Caspar David Friedrich? so romantisch und mythisch sehen die Deutschen ihren Wald. Zumindest nahm man das bisher an. Doch diese Sicht ist längst nicht so weit verbreitet. Das belegen Ergebnisse aus dem Verbundprojekt “Mensch und Wald”, das über drei Jahre vom Bundesforschungsministerium (BMBF) gefördert wurde.

Befragung: Nutzen des Waldes
Nach der Befragung von 3756 Personen stand für Kulturwissenschaftlerin Silke Kleinhückelkotten vom Ecolog-Institut fest: “Das romantische Bild vom Wald, diese emotionale Nähe, ist nicht überall in der Gesellschaft so verhaftet wie bisher angenommen.” Die Studie räumt zudem mit den Klischees vom Waldbewusstsein der Deutschen auf. Wer dachte, dass in dem Land, in dem Anfang der 1980er Jahre der Begriff des Waldsterbens geprägt wurde, das Wissen um ökologische Funktionen des Waldes weit verbreitet ist, der irrt. Dass Bäume Sauerstoff liefern, Luft filtern oder Tier- und Pflanzenarten beherbergen, ist nur einem Drittel der Befragten bekannt. Noch weniger geläufig ist die Rolle, die der Wald für Wasserhaushalt, Klima und Bodenschutz hat.
Weitgehend unbekannt ist, welche Arbeit der Förster im Wald tatsächlich leistet: 78 Prozent der Befragten gaben an, nur wenig über die Forstwirtschaft zu wissen. “Die Forstwirtschaft ist von der Lebenswelt der meisten Menschen weit weg”, analysiert Kleinhückelkotten.
Allerdings dokumentieren die Forschungsergebnisse auch, dass dieForstwirtschaft keinen schlechten Ruf hat: In der Person des Försters sehen fast 90 Prozent der Befragten den traditionellen Hüter des
Waldes. Deutlich mehr als 80 Prozent haben kein Problem damit, den Wald wirtschaftlich zu nutzen. Voraussetzung: Es darf nicht mehr Holz entnommen werden als nachwächst. Immerhin 69 Prozent attestieren der
Forstwirtschaft, dass in den Wäldern heute ökologischer als vor zehn Jahren gearbeitet wird. Nachvollziehbar wird damit das positive Image von Holz.

16.06.2009; Mehr Informationen: Nachhaltige Waldwirtschaft, Rubrik “Laborgespräche”

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