Agenda 21-Prozess Kaltehofe
Ergebnisprotokoll der Sitzung am 08.03.04:
Ort: Ortsamt Rothenburgsort
Uhrzeit: 18.00-19.30 Uhr
Teilnehmer: siehe Liste
Sitzungsleitung: Monika Mura, SDW
Tagesordnung:
- TOP 1: Begrüßung und Genehmigung des Protokolls vom 03.02.04
- TOP 2: Vorstellung von Ideen für die Nutzung von Kaltehofe, Hamburger Wasserwerke, KG AL
- TOP 3: Konzeptvorschlag der GÖP: Auenlandschaft Norderelbe, Torben Piel
- TOP 4: Verschiedenes
TOP 1:
Frau Mura begrüßt alle Teilnehmer zur 1. Lenkungsgruppensitzung.
Das Protokoll der letzten Sitzung vom 03.02.04 wird ohne Beanstandung genehmigt.
Herr Oppermann, SPD-Fraktion im Ortsausschuss Rothenburgsort, wird an einer der nächsten Lenkungsgruppensitzungen den Konzeptvorschlag der SPD-Fraktion des Ortsausschusses vorstellen. Sein Konzeptvorschlag soll zur vorbereitenden Information mit der nächsten Einladung verschickt werden.
Frau Mura erwähnt nochmals, dass im Rahmen des Agenda 21-Prozesses alle Konzepte zur Nutzung Kaltehofes, die bisher erstellt wurden, der Lenkungsgruppe zugänglich gemacht werden sollen.
TOP 2:
Frau Mura leitet über zum vorgesehenen Vortrag der Hamburger Wasserwerke (HWW).
Herr Ziesing verteilt eine A3-Kopie von einem Zeitungsartikel, erschienen in der Bild von Juli 1992 (siehe Anlage) und erläutert die Idee anhand des Artikels. Nach der Stilllegung des Wasserwerkes 1990 hätte es verschiedene Vorschläge zur Nutzung der Insel seitens der Ortspolitik gegeben. Die Verwertung der Insel sollte angemessen und in Anlehnung an die Stadtentwicklung verlaufen. Das Interesse der Hamburger Wasserwerke lag jedoch in erster Linie darin, mittels der Insel mehr Eigenkapital zu schöpfen, so dass die Wasserpreise in Zukunft niedrig gehalten beziehungsweise noch gesenkt werden könnten. Die KG Allgemeine Leasing GmbH zeigte Interesse an der Insel und beauftragte ein Architekturbüro mit dem Entwurf einer Ideenskizze für Kaltehofe, in der die Erhaltung des Wasserwerkes berücksichtigt werde. Die Ideenskizze ist auf der Abbildung des Zeitungsartikels dargestellt. Idee: "Hamburg baut sich Klein Venedig", Büros, Wohnbebauung und nicht störendes Gewerbe auf Kaltehofe. Die Schiebehäuser im Wasser am Beckenrand sollten gänzlich erhalten bleiben, die Wasserbecken mindestens teilweise. Die Schiebehäuser könnten als Kiosks oder andere Verkaufsstände genutzt werden. In die Wasserbecken sollten Büros bzw. Wohnungen gebaut werden, so dass diese von Wasser umgeben sind.
Herr Dr. Steffensen möchte wissen, inwieweit eine von Industrie begrenzte Wohnbebauung - auf Kaltehofe der Fall - überhaupt attraktiv sei. Die umliegenden Gewerbe (Affinerie, Müllhalde, etc.) verursachten eine erhöhte Luftverschmutzung und Lautstärke. Außerdem sei zu bedenken, dass die Insel für Berufs- und Anwohnerverkehr ausreichend Zufahrtsmöglichkeiten bräuchte.
Herr Ziesing meint, dass die Anbindung über das Sperrwerk reiche, eine zweite wäre allerdings von Vorteil und könnte eventuell als neu zu konstruierender Übergang auf dem östlichen Teil der Insel hinüber zur Andreas-Meyer Straße angelegt werden. Er schließt damit seinen Vortrag ab und Frau Mura bittet, Fragen zu stellen.
Herr Oppermann merkt an, dass frühere Wohnbebauungsvorschläge auf der Insel an den Luftbelastungen durch die Norddeutsche Affinerie (NA) scheiterten und er denkt, der Wohnbebauungsvorschlag der Wasserwerke wäre auf grund dieser Tatsache auch heute nicht machbar. Die Errichtung von Büros hingegen könnte möglich sein.
Allgemein wurde eine Wohnbebauung auf Kaltehofe bezweifelt, da diese 1992 bereits wegen Grenzwertüberschreitung der Emissionswerte abgelehnt wurde.
Auf die Frage von Markus Schreiber inwieweit die Anhandgabe der HWW noch Bestand habe erklärt Herr Becker (Allgemeine Leasing GmbH), dass diese seit 1992 jährlich verlängert würde. Er selbst sei seit zwei Jahren im Unternehmen und seines Wissens laufen die Pläne seit 12 Jahren weiter. Die KG Allgemeine Leasing sei weiterhin potentieller Käufer mit den vorgelegten Plänen für Kaltehofe.
Ingo Böttcher (Hamburgs Wilder Osten) schlägt vor, alle bereits existierenden Entwicklungspläne und Untersuchungsergebnisse für Kaltehofe als Basis für den weiteren Agenda 21-Prozess heranzuziehen. Je nachdem, wie lange die alten Untersuchungen gültig sind, müssten eventuell neue angestrebt werden, um den Zustand der Insel optimal einschätzen zu können.
Petra Störmer, Behörde für Bau und Verkehr, Amt für Stadtentwicklung, macht darauf aufmerksam, dass es bereits eine Machbarkeitsstudie für die Nutzung potentieller Gewerbeflächen in Hamburg gegeben hat. Kaltehofe sei bei dieser Studie durchgefallen. Frau Mura wird sich um die Beschaffung der Machbarkeitsstudie in Bezug auf Kaltehofe kümmern.
Herr Oppermann schlägt vor, eine Kartierung auf Kaltehofe von den Wasserwerken durchführen zu lassen, um bei einer eventuellen Bebauung den erst zurückgewonnenen Lebensraum seltener Arten nicht zu gefährden.
Herr Böttcher betont, dass eine solche Kartierung auf Kaltehofe längst fällig wäre. Denn für jede ähnliche Fläche erfolge in regelmäßigen Abständen eine Kartierung.
Herr Ziesing erklärt, dass 1994 bei einer Kartierung auf Kaltehofe keine gefährdeten Tier- und Pflanzenarten gefunden wurden und man deshalb das Land noch nicht wieder untersucht habe.
Frau Mura wird bei den Wasserwerken bzgl. der Durchführung einer Kartierung anfragen.
Markus Schreiber merkt an, dass der Senator und Präses der Umweltbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg, Herr Dr. Vahrenholt, zur damaligen Zeit gleichzeitig der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Hamburger Wasserwerke und somit die Möglichkeit einer Einflussnahme seinerseits gegeben war.
TOP 3:
Torben Piel, Gesellschaft für Ökologische Planung (GÖP), erklärt, dass die GÖP Kaltehofe unter Naturschutz stellen möchte (siehe Handouts). Das gesamte Naturschutzgebiet , Auenlandschaft Elbe, würde sich über die Norderelbe aufwärts bis Moorwerder erstrecken und die Mündung der Dove Elbe mit einschließen (siehe Karte). Hervorzuheben sei, dass es sich um in ganz Europa einmalige Süßwassertide-Lebensräume handle.
Es gäbe hier Pflanzen, die nur in diesen Lebensräumen existieren könnten. Er erläutert die Karten mit bestehenden Naturschutzgebieten und potentiell zu setzenden Grenzen. Er erwähnt die einzige Kormoran-Brutkolonie in Hamburg, die sich zwischen den Becken der ehemaligen Elbwasserschöpfstelle auf der Billwerder Insel der HWW wohl fühlt.
Es wäre denkbar, Kaltehofe trotz Ausweisung als Naturschutzgebiet für den Menschen auf vorgeschriebenen Wegen zugänglich zu machen.
Auf die Frage von Monika Mura, auf Grundlage welcher Flora- und Faunakartierung die Idee des Konzeptes entstand, antwortet Torben Piel, man wäre aufmerksam auf die brach liegenden Flächen geworden, da sich die Natur hier ihren Platz augenscheinlich zurück erobert hat. Es existierten zwar keine Kartierungen, aber Herr Gutschke, ein Anwohner, verfüge über umfangreiche, detaillierte Aufzeichnungen von Insekten, Vögeln und anderen Tieren auf und um Kaltehofe.
Frau Hollstegge ergänzt, Herr Gutschkes Aufzeichnungen wären tragfähig und von Herrn Dr. Wehrmann, ehemaliger Artenspezialist im Naturschutzamt (BUG), befürwortet und unterstützt.
Herr Oppermann fragt Herrn Piel, ob er sich eine Bebauung auf Kaltehofe vorstellen könne. Herr Piel könne sich durchaus eine Bebauung im Norden der Insel vorstellen und eventuell auch den Aufbau von Gewerbe. Es komme darauf an, in wie weit das geschehen solle. Er wäre im Grunde für alle tragbaren Kompromisse offen und durchaus bestrebt, nach dem Konsensprinzip eine Lösung für Kaltehofe zu finden.
Herr Dr. Velten würde gerne mehr über juristische Grundlagen für die Ausweisung eines Naturschutzgebietes erfahren und welche Konsequenzen das für die umliegende Industrie hätte. Frau Mura wird diesbezüglich für eine der nächsten Sitzungen einen Referenten aus der Umweltbehörde einladen.
Herr Dr. Steffensen möchte wissen, ob Kaltehofe eventuell den in Brüssel genannten Fauna und Flora Habitate (FFH-Gebiete) angehöre. Herr Piel wisse von einem Nachmeldungsprozess und aufgrund der Hafenentwicklung hätte es bezüglich der Ausweisung von FFH-Flächen Konflikte gegeben. Er meine auch, dass Kaltehofe zur Diskussion stand, könne sich aber nicht genau daran erinnern, ob es mitgemeldet wurde.
Frau Mura wird Christian Michalczyk, Mitarbeiter der Behörde für Umwelt und Gesundheit (BUG), für ein Referat über die Problematik der FFH-Gebiete im Hamburger Hafen zu einer der nächsten Sitzungen einladen.
Frau Peschke, Hamburgs Wilder Osten, merkt an, Planungen des Hamburger Senats für den Hafenbereich, einschließlich Kaltehofe, mit zu bedenken, welche die Problematik der Deichsicherung und der Rückdeichungsgebiete behandeln.
TOP 4:
Herr Kinzinger, Denkmalschutzamt, schlägt vor, Gebiete von Kaltehofe der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, z.B. im Rahmen des "Tag des öffentlichen Denkmals" am 12. September 2004. Er fragt Herrn Ziesing, ob dieser eine Führung auf Kaltehofe genehmigen würde. Herr Ziesing merkt an, dass es sich auf Kaltehofe größtenteils um Sperrgebiet handle und besonders die Wasserbecken für Kinder und auch Erwachsene eine große Gefährdung darstellen.
Frau Mura ergänzt, dass die SDW für bis zu 20 Mitglieder der Lenkungsgruppe bereits eine Führung auf Kaltehofe mit den Hamburger Wasserwerken vereinbart hat.
Termin: Die Begehung Kaltehofe mit anschließender Sitzung der Lenkungsgruppe in den Räumlichkeiten der Hamburger Wasserwerke wird am Dienstag, 27. April 2004 um 15:00 Uhr stattfinden. Schriftliche Einladungen folgen. Anmeldungen über die SDW, Monika Mura.