Lebensraum Ölpalmplantage? Kein Ersatz für Regenwald

Ölpalmplantagen sind kein Ersatz für tropischen Regenwald als Lebensraum. Das belegt eine aktuelle Studie, die als Titelthema in der diese Woche erscheinenden Oktoberausgabe der Fachzeitschrift “Trends in Ecology und Evolution” veröffentlicht wird.

Der Appell der internationalen Forschergruppe an die zuständigen Regierungen in Südostasien: Schnell handeln, um den verbleibenden tropischen Regenwald zu schützen und somit die für die Region typische Artenvielfalt erhalten zu können.

Ölpalmen gehören zu den sich weltweit am schnellsten verbreitenden Kulturpflanzen. Besonders in Südostasien ist die Palmölgewinnung ein stark wachsendes Wirtschaftssegment. Ungeachtet der ökologischen
Folgen wird tropischer Regenwald in gewinnbringende Monokulturen umgewandelt. Mit verheerenden Auswirkungen auf Klimawandel und Artenvielfalt. Palmöl ist das weltweit am meisten verarbeitete
Pflanzenöl. Genutzt wird es unter anderem als Nahrungsmittel, in der Kosmetik oder als Biokraftstoff, der in westlichen Industrieländern zunehmend nachgefragt wird. Aufgrund des globalen Bedarfs werden in
Malaysia und Indonesien mittlerweile rund 130.000 Quadratkilometer, das entspricht ungefähr einem Drittel der Fläche von Deutschland, bewirtschaftet. Meist handelt es sich bei der landwirtschaftlichen
Nutzfläche um ehemaligen tropischen Regenwald, der zu den artenreichsten Lebensräumen der Welt zählt.

Artenvielfalt durch große Nachfrage nach Pflanzenöl und Bio-Sprit bedroht
Eine internationale Forschergruppe werteten erstmals die wenigen bisher publizierten Studien zum Artenreichtum von Vögeln, Fledermäusen, Ameisen und verschiedenen anderen Tiergruppen in Ölpalmplantagen aus und konnten zeigen: Durchschnittlich überleben dort weniger als ein Sechstel der Arten, die aus primären Regenwäldern bekannt sind.
Und: Selbst forstwirtschaftlich genutzte Wälder oder Plantagenkulturen wie Kakao, Gummibaum oder Kaffee sind artenreicher. Dabei, so die Wissenschaftler, dürften die Schätzungen sogar
optimistisch sein, da das Arteninventar eines tropischen Regenwaldes schwieriger zu erfassen ist als das einer angelegten Ölpalmenplantage.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Selbst Managementmaßnahmen zur Begrünung in den Plantagen erhöhen das Artenspektrum nicht nennenswert. Die Erhaltung der tropischen Biodiversität ist nur durch
den Schutz von Wäldern außerhalb der Plantagen möglich.

Schnelles Handeln der Regierungen gefordert
Wenn die Artenvielfalt in Indonesien und Malaysia noch eine Zukunft haben soll, muss schnell gehandelt werden. Die Regierungen in Südostasien müssen entsprechende Richtlinien erlassen, mit denen der noch existierende Regenwald geschützt werden kann und keiner weiteren Rodung mehr zum Opfer fällt. So wurde in Indonesien beispielsweise bereits Satelliten- Technologie getestet, um illegalen Holzschlag zu unterbinden und öffentlich Druck auf Firmen mit solchen Machenschaften auszuüben.

Nur auf Borneo sind noch große, zusammenhängende Regenwaldflächen zu finden, die unbedingt unter Schutz gestellt werden müssen. Dabei ist es besonders wichtig, Regionen mit hoher Artenvielfalt zu identifizieren, um sie dann in ein sinnvolles Konzept einbinden zu können. Ein in diese Richtung weisendes und ambitioniertes Naturschutzprogramm, das “Heart of Borneo”, ratifizierten vergangenes Jahr die Anrainerstaaten Borneos. Bestehende Konzepte, in die die Erkenntnisse der aktuellen Studie einfließen werden, sollen nun umgesetzt werden. Ein wichtiger Schritt wird dabei sein, Plantagenbetreiber, Natur-schützer, Wissenschaftler, die lokale Bevölkerung und weitere Interessengruppen an einen Tisch zu bekommen.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft – idw – Pressemitteilung, Universität Koblenz-Landau, Bernd Hegen, 22.09.2008

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