Keine Windkraft im Wald

windkraft im wald - deutsche wildtierstiftungDeutsche Wildtier Stiftung veröffentlicht wissenschaftliche Studie zur Windenergie im Lebensraum Wald
Der Ausbau der Windenergie schreitet in Deutschland ungebremst voran; Wildtiere und ihre Lebensräume bleiben dabei auf der Strecke. Wie dramatisch sich der Konflikt zwischen Windenergie und Artenschutz in Deutschland zuspitzt, belegt die gestern veröffentlichte Studie „Windenergie im Lebensraum Wald“ von Dr. Klaus Richarz, die im Auftrag der Deutschen Wildtier Stiftung entstanden ist. Die Studie beschreibt die aktuelle Entwicklung von Windenergieanlagen (WEA) im Wald und die Gefahr für den Artenschutz.

„Gerade in bisher unzerschnittenen und wenig erschlossenen Waldgebieten beeinträchtigen Bau, Betrieb und die Wartung von Windenergieanlagen das Überleben von Wildtieren ganz erheblich“, sagt Professor Dr. Fritz Vahrenholt, Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung. Der Autor der Studie Dr. Klaus Richarz ist ein renommierter Biologe. Richarz hat 22 Jahre die Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland geleitet.
„Was der Ausbau für die Zukunft von Rotmilan und Schreiadler, Schwarzstorch und unseren heimischen Fledermausarten, die größtenteils auf der Roten Liste stehen, bedeutet, darf nicht einfach ignoriert werden“, fordert Professor Dr. Fritz Vahrenholt.
„In norddeutschen Bundesländern werden Windenergieanlagen jetzt schon für den Mäusebussard immer häufiger zur Todesfalle. Die Zahl der Opfer hat in einigen Regionen bereits populationsgefährdende Ausmaße angenommen.“

Einheitliche Abstandsregelung gefordert
Wie willkürlich dabei Abstandsregelungen zwischen Windenergieanlagen und Brutplätzen gehandhabt werden, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. „Das ist aus fachlicher wie naturschutzrechtlicher Sicht völlig unverständlich“, sagt Vahrenholt. Die Studie zeigt auf, dass zwischen den Bundesländern erhebliche Unterschiede in der artenschutzrechtlichen Umsetzung bestehen. „Während in Baden-Württemberg 1000 Meter vorgeschrieben sind, gelten in Bayern 1500 Meter – in Brandenburg herrscht völlige Abstands-Willkür: Es gibt keinen festen Abstandsbereich! „Aus naturfachlicher Sicht macht das alles wenig Sinn“, so Professor Vahrenholt. „Denn die Störanfälligkeit einer bestimmten Vogelart ist in Baden-Württemberg nicht anders als in Bayern oder Brandenburg.“

Auswirkung der Windkraft auf Vögel
Die gigantischen Ausmaße einer modernen Windenergieanlage (WEA) verdeutlichen sofort die Gefahr, die für Wildtiere ausgeht: In einer Höhe von knapp zweihundert Metern – der Kölner Dom ist „nur“ 158 Meter hoch! – überstreichen die Rotoren mit einer Geschwindigkeit von etwa 250 km/h an der Blattspitze eine Fläche von der Größe eines Fußballfeldes. Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist, die Kapazität von 27.190 Megawatt bis zum Jahr 2035 fast zu verdoppeln. Schon heute töten Windenergieanlagen rund 250.000 Fledermäuse und über 12.000 Greifvögel pro Jahr. Die Liste der gefährdeten Arten in der Studie liest sich wie das „Who is Who“ im Vogelreich: Zu Kollisionsopfern zählen u.a. der Wespenbussard, Seeadler, Baum- und Wanderfalke, Waldschnepfe und Uhu. Vögel werden von den Rotoren erschlagen, während Fledermäuse meist auf der Rückseite der Anlagen im Unterdruck sterben, weil ihre Lungen platzen.
Die Deutsche Wildtier Stiftung fordert u.a., dass in Nationalparken, Naturschutzgebieten sowie in Biosphärenreservaten und gesetzlich geschützten Biotopen keine Windenergieanlagen gebaut werden. Die im „Helgoländer Papier“ veröffentlichten aktuellen Empfehlungen der Staatlichen Vogelschutzwarten zu Abstandsregelungen müssen einheitlich umgesetzt werden. „Wo Horstbäume mutwillig zerstört wurden, muss der Brutbereich dauerhaft eine Tabuzone für Windenergieanlagen bleiben“, fordert Vahrenholt. „Nur dann, wenn diese Gebiete für Windenergie-Betreiber zu No-Go-Zonen werden, lässt sich der zunehmende Frevel unterbinden.“ Mittlerweile wehren sich über 800 Bürgerinitiativen gegen Windparks in ihrem direkten Umfeld. „Wie seinerzeit gegen die Kernenergie hat sich auch gegen Windenergieanlagen eine breite Bürgerbewegung gebildet, an der die Politik nicht länger vorbeisehen kann“, betont Professor Dr. Vahrenholt.

Der Maßnahmenkatalog der Deutschen Wildtier Stiftung:

1. Keine Windenergieanlagen in Wäldern und an Waldrändern!
2. Keine Windenergieanlagen in Schutzgebieten!
3. Das „Helgoländer Papier“ strikt einhalten!
4. Die Zerstörung von Brutplätzen strenger ahnden!
5. Den Kollisionstod von Wildtieren reduzieren!
6. Beweislast umkehren!
7. Verbände müssen Klagerecht nutzen!
8. Abschaffung der Privilegierung für Windenergieanlagen im Baurecht!
9. Das Bundesnaturschutzgesetz anwenden!
10. „Technische Anleitung Wind“ erarbeiten!

Die gesamte Studie zum Downloaden finden Sie hier: http://ots.de/KW6Wy

Quelle: 9.11.2016, Deutsche Wildtier Stiftung

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