Eingesperrtes Rotwild verliert genetische Vielfalt

21.05.08. Deutsche Wildtier Stiftung veröffentlicht Ergebnisse zum genetischen Monitoring von Rotwild in Niedersachsen

Der Rothirsch war einst ein Wildtier der offenen und halboffenen Landschaften. Sein Lebensraum ist mittlerweile überwiegend auf Waldgebiete reduziert. Auch das für den Rothirsch wichtige Wanderverhalten ist durch Autobahnen und Siedlungen weitgehend unmöglich geworden. Weil die von Menschen geschaffenen Barrieren einen Austausch zwischen den Populationen einschränken, verinseln die Rotwildbestände. Dies ist umso problematischer, je kleiner die Populationen sind. Die lokal stark reduzierte genetische Vielfalt kann Krankheiten und Missbildungen begünstigen und letztendlich den Fortbestand der Art gefährden.
Ein HirschAm Lehrstuhl für Wildökologie der Universität Dresden wurde die genetische Struktur von 263 Rotwild-Proben aus den drei Projektregionen ausgewertet: Das Rotwild in der Lüneburger Heide besitzt die größte genetische Variation, es folgen der Harz und schließlich der Solling. Vor 20 Jahren wies noch die Rotwildpopulation im Harz die größte genetische Variation auf. Warum der Harz in den letzten 20 Jahren an genetischer Vielfalt verloren haben könnte, zeigt ein Blick auf die Verbreitungskarte der Rotwildvorkommen in Deutschland: Die Population der Lüneburger Heide schließt direkt an große Verbreitungsgebiete in den östlichen Bundesländern an. Der Harz ist jedoch umgeben von großräumig waldfreien Landschaften, in denen auf große Distanzen keine weiteren Rotwildvorkommen bestehen.

Da es in Niedersachsen weder entlang der Bundesautobahn 7 noch entlang der Bundesautobahn 2 Wildbrücken gibt, wird sich die Isolation des Rotwildes im Harz voraussichtlich weiter verschärfen, damit rechnet die Deutsche Wildtier Stiftung. Gerade vor dem Hintergrund der zentralen Lage von Lüneburger Heide und Harz in Deutschland könnten Querungshilfen die Vernetzung der großen Verbreitungsgebiete des Rotwildes in Ostdeutschland mit denen der Mittelgebirge Westdeutschlands ermöglichen. Der Projektbericht “Genetisches Monitoring beim Rotwild in Niedersachsen” und eine Rotwildverbreitungskarte ist zu finden unter: www.rothirsch.org

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