Die Waldkiefer (Pinus sylvestris L.)
Baum des Jahres 2007

Verbreitung:
Die Waldkiefer ist von Spanien und Nordafrika, über ganz Europa bis zur polaren Waldgrenze, von Westeuropa über Osteuropa sowie weiter ostwärts über Sibirien bis Ostasien und über das nördliche Kleinasien verbreitet. In den Trockenwäldern Südosteuropas wird sie häufig von der Schwarzkiefer abgelöst. Die Kiefer ist bis zu einer Höhe von 2000 m (Zentralalpen) anzutreffen.

Artenmerkmale

  • Höhe: bis 40 m
  • Durchmesser: bis 120 cm
  • Alter: 500 – 600 Jahre

Kronenform:
Hinsichtlich der Kronenausbildung und der Stammform haben sich je nach geographischer Lage verschiedene Formen ausgebildet, z.B.:
– die breitkronige Tieflandkiefer: häufig sehr krummschaftig und starkastig (schneearme Lage)
– oder die schmalkronige montane Höhenkiefer: Krone weitgehend schneebruchsicher, grandschaftig, feinastig (Selektion durch Schneebruch)

Blätter:
Die so genannten Nadeln der Kiefer sitzen zu zweit in kleinen Büscheln an Kurztrieben, sind bis 8 cm lang, graugrün bis bläulichgrün gefärbt, gedreht und kurz zugespitzt. Sie weisen auf der Unter- und Oberseite gleichmäßig verteilte weiße Streifen auf, die sog. Spaltöffnungsstreifen. Die Lebensdauer der Nadeln beträgt zwei bis drei Jahre, im Gebirge bis sechs Jahre.

Blüte:
Die Kiefer wird im Bestand mit 30 bis 40 Jahren, im Freistand mit 15 bis 20 Jahren mannbar. Die eingeschlechtigen Blüten blühen im Mai/Juni. Die Kiefer ist einhäusig, d.h. männliche und weibliche Blüten befinden sich an einem Baum. Die männlichen Blüten stehen am Grund diesjähriger Triebe. Die langgestreckte Blütenachse trägt unten drei schuppenförmige Blättchen und in Schraubenlinie zahlreiche Staubblätter. Diese weisen auf ihrer Unterseite je zwei Pollensäcke auf, in denen sich der Blütenstaub (oder Pollen) befindet. Eine solche Blüte wird Zapfenblüte genannt. Rötliche, aufrechte, weibliche Zapfenblüten befinden sich an der Spitze der jungen Triebe. Die Stelle der Staubblätter nehmen bei ihnen Fruchtblätter oder Fruchtschuppen ein. Jede Fruchtschuppe trägt auf ihrer Oberseite zwei Samenanlagen. Die Blüten sind gestielt, etwa 5 bis 6 mm lang, eiförmig bis fast kugelig. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind. Die befruchteten Zöpfchen werden im ersten Jahr zu kleinen grünen, im Herbst (September bis November) des zweiten Jahres zu verholzten, dunklbraunen bis schwärzlichen, kurz gestielten, 3 bis 8 cm langen Zapfen.

Frucht:
Die Zapfenschuppen sind länglich, die Schuppenschildchen rautenförmig und flach mit kleinem hellbraunem Nabel und meist sehr kurzem Höcker. Die Schuppen mit je zwei Samenanlagen klaffen zur Reifezeit oder sind zurückgebogen. Im März/April des dritten Jahres fliegt der Same aus. Die leeren Zapfen fallen später ab. Der Same keimt nach ca. 2 Wochen aus.

Rinde:
Die Borke ist anfangs glatt, graugelb oder braungelb, mit fortgeschrittenem Alter – besonders im Kronenbereich – leuchtend rotgelb bis fuchsrot und blättert in papierdünnen Fetzen ab (Spiegelrinde). Die Borke der unteren Stammhälfte wird im Alter zu einer in große Platten gegliederten, von tiefen schwärzlichen Furchen durchzogenen, dicken, grau bis rotbraunen Schuppenborke.

Wurzelsystem:
Bereits in früher Jugend wird eine Pfahlwurzel angelegt und bleibt als dominierende Wurzel erhalten. Die durchschnittliche Wurzeltiefe beträgt zwei Meter. Mit zunehmendem Lehmgehalt tritt die Pfahlwurzel zurück und auf strengen Tonböden werden mehr Senkerwurzeln ausgebildet. Dieses Wurzelsystem bietet eine gute Widerstandskraft gegenüber Sturm!

Standortansprüche:
Die Waldkiefer ist hinsichtlich Nährstoff- und Wasserversorgung eine sehr anspruchslose Baumart. Wie kaum eine andere Baumart wird sie mit extremen Verhältnissen fertig. Sie besiedelt sowohl sehr trockene Standorte als auch nasse Moore. Aufgrund dieser Eigenschaften gilt sie zu Recht als Pionierbaumart. Klimatisch bevorzugt sie sommerwarme und winterkalte Klimalagen.

Waldbauliche Eigenschaften:
Im letzten Jahrhundert wurde die Kiefer wegen ihrer Standorttoleranz auf den nährstoffarmen Sandböden Nord-, Süd- und Ostdeutschlands großflächig angepflanzt. Die Folgen solcher ausgedehnten Reinkulturen zeichneten sich sehr schnell ab: Insektenkalamitäten (z.B. durch den Kiefernspanner), Pilzbefall (z.B. Kiefernblasenrost) und Feuer richteten immer wieder große Schäden an den Beständen an. Aber auch die Böden wurden sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Die schwer zersetzbare und saure Nadelstreu in Kombination mit dem sauren Regen, ließen die ph-Werte der Böden schnell unter 4 sinken.
Die heute noch vorhandenen Reinbestände werden i.d.R. mit Eiche oder Buche unterbaut, d.h. Jungpflanzen von Eiche und Buche werden in die älteren Kiefernbestände gepflanzt, so dass im Laufe der Jahre eine stabile Mischung entsteht.

Als ausgesprochene Lichtbaumart wird die Kiefer solche waldbaulichen Maßnahmen aber nur durch gezielte Pflege der Forstwirtschaft überleben, da besonders die Buche eine sehr konkurrenzstarke Schattenbaumart ist.

Holzeigenschaften:
Das harzreiche, leichte, weiche Holz hat einen breiten, gelblich bis rötlichweiß gefärbten Splint und einen rotbraunen Kern. Das Holz schwindet mäßig und ist sehr dauerhaft. Es wird für Balken, Pfähle, Fensterbau, Dachlatten, Bauholz und Rammpfähle verwendet.

Literatur:

Das Kosmos Wald- und Forstlexikon
Erlbeck; Haseder; Stinglwagner
Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart
ISBN 3-440-07511-7

BLV Bestimmungsbuch
Bäume und Sträucher
Ulrich Hecker
BLV Verlagsgesellschaft mbh
München Wien Zürich 1995

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