Die Eibe (Taxus bacata L.)

Verbreitung:
Die Eibe war bis zur letzten Eiszeit in ganz Europa vermehrt vertreten. Nach der Eiszeit und mit Voranschreiten der konkurrenzstarken Buche wurde sie heute bis auf wenige Standorte in ganz Europa zurückgedrängt. Hinzu kam eine starke Rodung der Eibenwälder im Mittelalter, weil sie ein sehr elastisches und wertvolles Holz für den Bogenbau lieferte. In England wurde sie aus diesen Gründen vollständig vernichtet.
Ihre spärliche Verbreitung erstreckt sich über ganz Europa bis zum Kaukasus, bis zum nördlichen Kleinasien und bis zum westlichen Nordafrika. In Mitteleuropa zeigt die Eibe einen mehr atlantischen Charakter. Sie fehlt deshalb auch in den kontinentalen Innenalpen, steigt jedoch in den Nordalpen (Fönlage) bis auf 1700 m N.N. und reicht deswegen auch nur wenig mehr nach Osten als die Buche.
Die Eibe steht wie die Schwarzpappel auf der Roten Liste für gefährdete Arten.

Artenmerkmale:

Die Eibe wird von einigen Systematikern nicht zu den Coniferen (Nacktsamer = alle Nadelbaumarten) gezählt, da es einige Unterschiede hinsichtlich ihrer Morphologie gibt.

  • Unterschiedliche Pollenmorphologie
  • Einzeln stehende Samen
  • Nadeln besitzen kein sklerenchymatisches Gewebe, sind demnach mechanisch schwächer gebaut und besitzen keine Harzkanäle
  • Sie bildet keine Zapfen sondern eine Scheinfrucht oder auch Scheinbeere
  • Die Eibe ist als einziger Nadelbaum neben dem Wachholder zweihäusig
  • Sie besitzt als einziges Nadelgehölz die Fähigkeit zum Stockausschlag

Diese Merkmale veranlassen manche Systematiker, die Eibe zwischen Nadel- und Laubholz einzuorden.

  • Höhenwachstum: bis 20 m als Baum 2. Ordnung oder nur als Strauch
  • Brusthöhendurchmesser: bis 1,5 m wobei Angaben sehr unterschiedlich sind
  • Alter: bis 1000 Jahre, wobei das Alter oft überschätzt wird, da die aus Stockausschlag entstandenen Exemplare i.d.R. mehrstämmig sind.

Die Eibe enthält als einzige heimische Baumart ein starkes Gift. Besonders hoch ist die Konzentration in den Nadeln. Nur im Fruchtfleisch des Samens und in den Pollen fehlt es. Das Gift ist in hoher Konzentration für Menschen und Haustiere tödlich, Wild schadet es nicht.

Vermehrung:
Die Mannbarkeit der Eibe tritt etwa mit zwanzig Jahren ein. Die fleischige Hülle, der sog. Arillu ist auffällig rot gefärbt, wodurch eine Samenverbreitung durch Vögel sichergestellt ist. Die Eibe blüht im Februar/März, der Pollen wird mit dem Wind verbreitet. Die Samenreife erfolgt im August bis Oktober. Außerdem kann sich die Eibe durch Stockausschlag vermehren.

Licht:
Die Eibe gilt als ausgesprochene Schattenholzart. So reichen 7% des vollen Lichtes aus, um ein Überleben zu gewährleisten. Sie kann bei diesem geringen Lichtgenuss jedoch nicht blühen und demnach nicht fruktifizieren. Lichtkompensationspunkte verschiedener Baumarten, bei denen noch eine Nettoassimilation möglich ist:

  • Eibe 300 Lux
  • Buche 300-500 Lux
  • Tanne 300-600 Lux
  • Kiefer 1000-5000 Lux

Standort:
Die Eibe ist standortvag, d.h. die Eibe gedeiht auf feuchten, wechsel-feuchten und sehr trockenen Standorten (stark dürreresistent) sowie auf sauren (nährstoffarmen) und basischen (nähstoffreichen) Standorten. Das ökologische Optimum liegt dagegen auf mäßig-gut wasserversorgten, basenhaltigen und skeletthaltigen Böden. Sie gedeiht aber auch auf sauren, steilen Hangkanten, wo andere Baumarten nicht mehr existenzfähig sind.

Waldbautechniken:
Die Eibe ist eine sehr langsam wachsende Baumart. So benötigt eine aus Samen entstandene Pflanze einen Zeitraum von 3-4 Jahren, um eine Höhe von 15-20 cm zu erreichen, vorausgesetzt sie wird nicht verbissen und wächst im Halbschatten auf. Dies zeigt, dass die Eibe wenig produktiv ist. Sie ist eine typische Baumart des Nebenbestandes. Um wertvolles Holz zu erzielen, müssen zwei Voraussetzungen gegeben sein:

  • Mittlere bis gute Standorte
  • Das Aufwachsen im Halbschatten – ist auf Schirm angewiesen

Besonders gut eignen sich ältere Eschen/Buchen- oder Eschenbestände (allg. unter Lichtbaumarten) für den Voranbau der Eibe. Zum einen finden sich diese auf sehr guten Standorten und zum anderen sind durch die Lichtdurchlässigkeit der Eschenkronen günstige Verhältnisse gegeben. Durch die Eibe kann auch der Bodenverwilderung in reinen Eschenbeständen entgegengewirkt werden.

In Bestandslücken von reinen Buchenbeständen sind Folgehiebsmaßnahmen notwendig, da die Buche ihr Kronendach schnell wieder schließt und dadurch der nötige Lichtgenuss für die Eibe nicht mehr gegeben ist.

In Eichenbeständen läßt sich die Eibe gut einbringen, da die Eiche mehr Licht durchlässt und das Kronendach nach einem Pflegeeingriff nur sehr langsam wieder schließt. Außerdem übernimmt die Eibe hier auch dienende Funktion.

Auch die Einbringung in Fichtenaltbestände bringt kaum Gefahren, da sich die Kronen der Fichten kaum noch schließen. In Fichtenjungbeständen muss eine kontinuierliche Pflege stattfinden, damit die Eibe nicht ausgedunkelt wird.

Die Eibe darf aber niemals plötzlich vollständig freigestellt werden, da sie mit Nadelvergilbung reagiert. Die Eibe sollte trupp- oder gruppenweise gepflanzt werden, da sie dann weniger zur Spannrückigkeit neigt und eine gute Schaftform ausbildet. Noch wichtiger als die Neuanlage von Eibenbeständen ist der Erhalt und die Verjüngung der vorhandenen autochthonen Bestände um die Gen-Ressourcen zu sichern und zu erhalten. Alteiben sollten, sofern sie in der zweiten Baumschicht auftreten, immer wieder aufgelichtet werden.

Naturschutz:
Aufgrund der heutigen Seltenheit und aus landeskundlich- sowie historischen Gründen steht die Eibe auf der Roten Liste (Kategorie 3) . Sie hat nach der Bundesartenschutzverordnung vom 16.2.205 einen besonderen Schutz. Durch diesen Schutz ist es auch dem Forstmann untersagt, die Eibe wirtschaftlich zu nutzen. Holzhändler, die mit Eibenholz handeln, benötigen eine Herkunftsbescheinigung, die von der Oberen Naturschutzbehörde ausgestellt wird. Die Länder können hier aber Ausnahmeregelungen schafffen.

Gefährdungen:

  • Der größte Feind der Eiben sind das Reh- und Rotwild, deshalb sollten Pflanzungen in gefährdeten Gebieten unbedingt eingezäunt werden.
  • Eibenschildlaus: Laus sondert Honigtau ab, der eine günstige Grundlage für den Rußschimmel liefert, der der Eibe gefährlich werden kann.
  • Die Larve der Eibengallmücke befällt die Knospen, wodurch das Wachstum gehemmt wird.

Holzeigenschaften:
Das Holz der Eibe ist außergewöhnlich zäh, elastisch, fest und abriebfest. Der Kern ist rotbraun, der Splint gelblich gefärbt. Früher diente es zur Herstellung von Armbrüsten und den berühmten Eibenbögen. Heutzutage werden daraus Möbel, Holzblasinstrumente, Vertäfelungen und Bilderrahmen hergestellt. Auch als Furnier in der Kunsttischlerei findet es Verwendung. Furnierstamm: 2.500 bis 5.000 EUR/qm.

Durch die letzten Jahrtausende hindurch hatte die Eibe eine große Bedeutung durch vielfältige Verwertungsformen des wertvollen Holzes und auch durch die vielen Mythen und Gebräuche, die sich um den Baum gebildet hatten. Des Weiteren wurde die Eibe aufgrund ihres Holzes stark übernutzt und wurde flächenhaft ausgerottet.

Literatur:

Das Kosmos Wald- und Forstlexikon
Erlbeck; Haseder; Stinglwagner
Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart
ISBN 3-440-07511-7

BLV Bestimmungsbuch

Bäume und Sträucher
Ulrich Hecker
BLV Verlagsgesellschaft mbh
München Wien Zürich 1995

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