Das Gamswild (Rupicapra rupicapra L.)

Das Gamswild oder auch Gämse genannt, zählt zur Unterfamilie der ziegenartigen Hornträger und zur Familie der Horntiere aus der Ordnung Paarhufer .

Vorkommen:
Das Gamswild ist ein Gebirgsbewohner und kommt in den Europäischen Gebirgen wie den Alpen, Pyrenäen, Apenninen und den Gebirgen Rumäniens, Jugoslawiens und Griechenlands vor. In Deutschland wurde es auch in den Mittelgebirgen Schwarzwald, Vogesen und dem Elbsandsteingebirge eingebürgert (sog. Flachlandgemsen).

Lebensraum:
Im Sommer besiedeln Gämsen die Hochlagen bis 2500 m und sind weniger im Wald anzutreffen. In dieser Zeit halten sie sich mehr in den Geröll- und Latschenfeldern der Hochlagen auf. Im Winter, wenn die Nahrung knapper wird, ziehen sie sich in die Bergwälder zurück, wo sie ausreichend Nahrung finden.

Erscheinungsbild:
Das Gamswild wechselt zweimal im Jahr sein Fell. Im Sommer ist es rotbraun, im Winter dunkelbraun bis fast schwarz. Auffällig sind die entlang des Rückgrates wachsenden Haare. Sie sind länger als der Rest dunkler mit weißen Spitzen (Aalstrich). Aus ihnen wird der sog. „Gamsbart” gewonnen. Besonders auffällig ist die Gesichtszeichnung der Gämsen. Es ist weiß, aber von der Oberlippe zieht sich ein schwarzer Streifen auf beiden Gesichtshälften über die Augen bis hin zum Ansatz der Ohren und Hörner.
Gämsen haben Hörner (Krucken), die nicht abgestoßen werden. Sie sind relativ schwach, aufrecht stehend, deren Spitzen nach hinten hakenförmig umgebogen sind. Ein Gamsbock hat eine Körperlänge von ca. 100-130 cm, eine Schulterhöhe von 70-80 cm und ein Gewicht von 27-40 kg. Die Geißen (Weibchen) wiegen i.d.R. 20 % weniger.
Die Hufe der Gämsen bestehen aus weichem Horn, das sich festen Untergrund und dessen Unebenheiten sehr gut anschmiegt. Die Ballen der Unterseiten haften wie Rohgummi auf dem Gestein, daher sind Gämsen wahre Kletterkünstler, die noch in sehr steilem Gelände ausreichend Halt finden.

Sinnesorgane:
Die Sinnesleistungen (Gesichts-, Gehör-, Geruchssinn) des Gamswildes sind sehr gut. Sie geben meckernde Laute von sich, bei Erregung und Unsicherheit pfeift das Gamswild.

Lebensweise:
Gämsen sind Tagtiere, da sie bei der Fortbewegung im steilen Gelände auf Sicht angewiesen sind. Sie leben in größeren Rudeln meist zusammengesetzte aus Geißen, Kitzen und noch nicht geschlechtsreifen Böcken. Ein Rudel wird immer von einer führenden Geiß, d.h. eine Geiß mit Jungtieren geführt. Sollte das Kitz ums Leben kommen, verliert die Geiß sofort die Stellung und wird durch eine andere „führende Geiß” abgelöst. Junge geschlechtsreife Böcke, die aus dem Elternrudel verstoßen wurden, sammeln sich zu kleinen Einheiten, sog. „Herrengemeinschaften” und leben einige Jahre zusammen. Später, in höherem Alter, werden sie dann zu Einzelgängern.
Gämsen ernähren sich vor allem von Alpenkräutern, Gräsern und Laubblättern. Im Winter zudem aus Flechten (wegen des hohen Eisengehaltes), Moosen und Latschen.

Fortpflanzung:
Die Brunftzeit der Gämsen beginnt Mitte Oktober und endet im Dezember. Während dieser Zeit nehmen die Böcke keine Nahrung auf und leben nur von ihren Fettreserven. Ist der Winter hart und streng, kommt es häufig vor, dass die Böcke aufgrund des Nahrungsmangels verenden. Die Geiß ist ab dem 4. Lebensjahr fortpflanzungsfähig und setzt im 5. Lebensjahr das erste Kitz. Nach einer Tragzeit von ca. 6 Monaten wird im Mai/Juni ein Kitz (selten zwei) gesetzt (geboren). Es wird ca. 6 Monate gesäugt und bleibt bis zur Geburt des nächsten Kitzes (ein Jahr später) bei der Mutter.

 
Literatur:

Das praktische Handbuch der Jagdkunde
Fritz Nüßlein
BLV Verlagsgesellschaft mbH
ISBN 3405147891

Jäger-Einmaleins
Fritz Oehsen
Landbuch-Verlag
10. Auflage
ISBN 3 7842 0386 3

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